Tölzer Löwen: Als Florian Zeller und Co. Axel Kammerer einen Streich spielten

Florian Zeller Tölzer Löwen

Florian Zeller spielt nach wie vor gerne Eishockey. In der Bezirksliga spielt er für den TSV Schliersee. Foto: privat

Über 600 Spiele absolvierte Florian Zeller in zwölf Saisons für die erste Mannschaft der Tölzer Löwen. Der 48-Jährige blickt auf Kabinenstreiche zurück, spricht über die Konsequenzen der Insolvenz 2009 und erklärt, warum er dem Eishockey bis heute treu geblieben ist.

Florian Zeller spielte für mehrere Klubs im deutschen Profi-Eishockey. Der große Perfektionist war der gebürtige Münchner nach eigener Aussage aber nie. „Ich hätte es professioneller sehen können“, sagt Zeller heute. Während andere ausschließlich für den Sport lebten, baute er ein Haus, gründete eine Familie und blieb vor allem eines: ein Eishockeyspieler, der das Leben in der Kabine liebte.

Zeller begann im Alter von vier Jahren in seiner Geburtsstadt München mit dem Eishockey, wechselte aber bereits 1984 zu den Tölzer Löwen, weil dort damals die Nachwuchsarbeit besser war. Mit den Tölzer Junioren wurde er bayerischer Meister, in den Saisons 1995/96 und 96/97 spielte er sowohl in der Junioren-Bundesliga als auch in der zweiten Liga, die damals kurzzeitig unter dem verwirrenden Namen „1. Liga“ firmierte. In zehn weiteren Saisons war Zeller fester Bestandteil der ersten Mannschaft der Tölzer Löwen, Teil seiner Profi-Laufbahn waren auch zwei Saisons beim EHC München, eine Saison beim Schwenninger ERC und eine Spielzeit bei den Starbulls Rosenheim.

Der Streich

Am meisten in Erinnerung geblieben ist Zeller aber natürlich durch seine vielen Jahre bei den Tölzer Löwen. Sagen wir es mal so: Die Stimmung scheint gut gewesen zu sein. Zeller spielte zwischen 1997 und 2000 auch mit Axel Kammerer zusammen, der aktuelle Löwen-Trainer war zwischen 2007 und 2009 auch sein Trainer. In dieser Phase war Zeller auf seinem sportlichen Höhepunkt, in der Oberliga-Meistersaison 2007/08 sammelte er 38 Tore und 53 Assists.

Als Kammerer zu den Löwen kam, war die Ehrfurcht bei Zeller vor dem langjährigen Nationalspieler zunächst groß. Doch sie ließ schnell nach: „Er war in der Kabine immer ein Lustiger. Er hat gerne mal einen Streich gespielt, das hat er auch beibehalten. Er hat aber auch Spaß verstanden, wenn man einen Streich gegen ihn gemacht hat – sowohl als Spieler als auch als Trainer. Ich bin mit ihm immer sehr gut ausgekommen. Wenn etwas ist, kann man ihn jederzeit anrufen und um Rat fragen. Er ist der Letzte, der dann nein sagen würde. Unser Verhältnis ist soweit sehr gut.“

Ein Streich aus Kammerers Spielerzeiten ist Zeller in besonderer Erinnerung geblieben. „Mein späterer Trainer Axel Kammerer – ich hoffe er verzeiht mir, dass ich das erzähle“, leitet Zeller grinsend ein. „Wir haben in seinen Helm ein Stück Fleisch reingelegt, unter dem Schutz. Er hat das ziemlich lange nicht bemerkt.“ Als nach der Saison dann die neue Ausrüstung nicht ankam, mussten Teile der alten Ausrüstung wiederverwendet werden. „Wir haben dann doch in diesen Schutz hineingeschaut beim Axel. Ja, es war noch da.“

Insolvenz-Schock

Die Saison 2008/2009 entwickelte sich für die Tölzer Löwen zu einer schicksalhaften Spielzeit. Was Zeller als einer der ersten Spieler aufschnappte, wurde zur Realität: Die Tölzer Löwen, die die DEL2-Hauptrunde auf Platz zwei beendeten, mussten Insolvenz anmelden und einen Zwangsabstieg verkraften. „Das war natürlich frustrierend, nicht nur privat, sondern auch sportlich“, erinnert sich Zeller. Der jungen Familie, die damals zur Miete wohnte, entging viel Geld. „Wir konnten damals die Miete nicht bezahlen. Wir hatten Gott sei Dank einen guten Vermieter, der uns entgegen gekommen ist.“

Finalniederlage gegen Ex-Klub und Titelgewinn mit Stanley-Cup-Sieger

Zeller flüchtete zum Schwenninger ERC. Nachdem er zwischen 2005 und 2007 beim EHC München gespielt hatte, war Schwenningen seine zweite „Auswärtsstation“, wie Zeller alle Orte außerhalb Bad Tölz nennt. Nach einer enttäuschenden ersten Saison beim EHC München hatte sich der Verein unter Coach Pat Cortina stark verändert: „Es war ein ganz anderes Auftreten. Alles wurde professioneller. Da waren wir dann auch erfolgreicher“, erinnert sich der 48-Jährige.

In Schwenningen wiederum spielten Zeller und Co. eine starke Saison und scheiterten im Finale der DEL2 dann ausgerechnet am EHC München. Die Finalserie gegen seinen Ex-Verein verpasste Zeller allerdings, weil er sich in den Playoffs die Hand gebrochen hatte. Das eine Jahr in Schwenningen ist ihm aber in positiver Erinnerung geblieben: „Die Leute in Schwenningen und das Drumherum waren super. Das war hervorragend. Alles war topprofessionell.“

Zum Abschluss seiner Profikarriere gewann der Tölzer Linksschütze mit den zweitklassigen Starbulls Rosenheim den DEB-Pokal, woran Goalie Norm Maracle einen großen Anteil hatte. Maracle gewann 1999 mit den Detroit Red Wings den Stanley Cup. „Er war ein sehr, sehr guter und lustiger Torwart. So ein Erlebnis, mit so einem Spieler zu spielen, hast du nicht oft in deiner Karriere.“

Dem Eishockey treu geblieben

Zwischen 2011 und 2013 ließ Zeller seine Karriere beim TEV Miesbach in der Bayernliga ausklingen. Nebenbei machte er eine Schreinerlehre, entsprechend war für ihn der Schritt vom Profisport ins „normale“ Arbeitsleben kein allzu schwerer. „Ich vermisse das nicht. Aus diesem Profi-Eishockey bin ich jetzt wirklich schon für eine lange Zeit raus“, betont der Ex-Profi, der bis zuletzt als U17-Trainer des TEV Miesbach tätig war, aus privaten Gründen diese Tätigkeit bis Weihnachten allerdings pausiert.  Schon bei der semi-professionellen ersten Mannschaft des TEV, die in der Bayernliga spielt, sei der zeitliche Aufwand immens.

Was nicht bedeutet, dass er gar keine Lust mehr auf Profi-Eishockey hat: „Ich verfolge noch so ziemlich alle Mannschaften, für die ich gespielt habe.“ Insbesondere nach Bad Tölz ist der Weg für Zeller natürlich kurz. Was auch daran liegt, dass einige Spieler, die Zeller in der vergangenen Saison in der Miesbacher U17 trainiert hat,  den Sprung zu den Löwen geschafft haben. Außerdem schnürt der gebürtige Münchner für die Altherrenmannschaft der Löwen „ab und zu“ die Schlittschuhe. In der kommenden Saison will er dies wieder öfter machen.

Darüber hinaus spielt Zeller für den TSV Schliersee, wenn er Zeit dafür hat, in der Bezirksliga. „Ich mache das seit 44 Jahren. Das macht einfach Spaß, auch das ganze Drumherum mit den Jungs in der Kabine. Gerade in Schliersee ist es ein sehr, sehr gutes Miteinander. Es werden Feste gemacht und da hilft die Mannschaft von A bis Z zusammen. Da gibt es keinen, der nicht mitmacht, sondern da wird die ganze Mannschaft gefordert, ob es jetzt beim Ausschenken ist oder beim Grillen oder beim Zusammenräumen am nächsten Tag in der Früh. Das ist das, was mich immer noch ans Eishockey bindet. Ich mache das immer noch gerne.“

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