Fabian Weyrich: „Für mich war der EC Peiting wie eine zweite Familie“
Mit drei Toren und 27 Assists erlebte Verteidiger Fabian Weyrich in der Saison 2018/19 seine offensiv beste Spielzeit. Foto: Holger Wieland
Fast 20 Jahre spielte Fabian Weyrich für den EC Peiting, absolvierte nahezu 1000 Spiele und wurde zur Identifikationsfigur in Peiting. Der 36-Jährige spricht über Gänsehautmomente, den besonderen Zusammenhalt beim EC Peiting und ein völlig neues Gefühl im Sommer.
Die 4:5-Niederlage des EC Peiting am 13. März bei den Hannover Indians war nicht nur das letzte Spiel des ECP in der abgelaufenen Saison, sondern auch das letzte Spiel in der Eishockey-Laufbahn von Fabian Weyrich. Der 36-Jährige, der vor fast 20 Jahren nach einem zweijährigen Intermezzo in der DNL-Mannschaft des SC Riessersee zurück zu seinem Heimatverein an den Pfaffenwinkel gewechselt war, spielte fast 20 Jahre für den ECP in der Oberliga.
Dabei hatte sich der gebürtige Peißenberger zunächst durchaus offen gehalten, beispielsweise in die DEL2 zu wechseln. Er fing dann allerdings eine Ausbildung zum Automobilkaufmann an: „Ein Wechsel war dann nicht mehr ganz so einfach möglich. Ich bin dann in Peiting geblieben für die drei Jahre, die die Ausbildung gedauert hat. Dann hat sich das einfach so gut eingespielt. Für mich war das dann wie eine zweite Familie, deswegen war es relativ klar, dass ich dem Verein ein bisschen was zurückgebe.“
Ein anderes Gefühl
Weyrich hielt dem Verein die Treue, half zwischenzeitlich sogar als Jugendtrainer und in der Vorstandschaft des Fördervereins aus. „Mir war der zeitliche Aufwand als Jugendtrainer aber irgendwann zu groß. Irgendwann mag ich auch ein bisschen Freizeit haben.“ Freizeit, die er zum Beispiel gerne zum Golfspielen nutzt. Passenderweise schenkte ihm der EC Peiting als Abschiedsgeschenk Golfausrüstung.
Ganz aus dem Nichts kommt das Karriereende des 36-Jährigen ja ohnehin nicht, denn schon vor zwei Jahren dachte er an ein Karriereende, ließ sich aber dazu überreden, weiterzumachen. Jetzt die Karriere zu beenden, fühle sich nicht nach einer Befreiung an, aber: „Es ist einfach ein anderes Gefühl im Sommer, wenn du weißt, dass du im August, wenn das schönste Wetter ist, nicht ins Eisstadion gehen musst. Jetzt kann ich mit Kumpels Golf spielen oder zum Baden gehen. Einfach eine gute Zeit haben, ohne dass du dir Gedanken darüber machen musst, dass du dich vernünftig auf die neue Saison vorbereiten musst und jeden Tag ins Fitnessstudio, Fahrrad fahren oder laufen musst. Es ist alles entspannter.“
Gänsehautmomente
Wenn der Verteidiger auf seine Eishockey-Laufbahn zurückblickt, denkt er besonders gern die gewonnene deutsche Juniorenmeisterschaft, die beiden Oberliga-Finalserien gegen Kaufbeuren und Rosenheim und an die Halbfinalserie gegen die Tilburg Trappers zurück: „Als junger Spieler vor Tausenden Zuschauern in Kaufbeuren oder Rosenheim zu spielen, war Gänsehautfeeling. Gegen Tilburg war es ganz was anderes als hier. Die Fankultur ist eine ganz andere. Die Zuschauer klatschen sogar, wenn der Gegner eine gute Aktion hat.“
Die Entwicklung einer Identifikationsfigur
Es sind verschiedene Erfahrungen, die einen Spieler reifen lassen. Teammanager Gordon Borberg bezeichnete Weyrich einst als „Mister Zuverlässig“, allerdings musste er sich seine ruhige Ausstrahlung erst aneignen: „Meine Ruhe zeichnet mich erst seit ein paar Jahren aus, früher war ich sehr emotional, bin auch wenn der Schiedsrichter eine umstrittene Entscheidung getroffen hat, lauter geworden oder ausgeflippt.“
Als einheimischer Spieler sei er aber mit der Zeit in eine „gewisse Aufgabe“ hineingewachsen, auch weil er erkannte, vermehrt als „Identifikationsfigur“ wahrgenommen zu werden: „Ich musste mit Blick auf die Jugend ein anderes Bild haben Ich habe dann irgendwann schon realisiert, dass du mit deinen Emotionen und diesem Aufbrausenden in Spielen nicht unbedingt weiterkommst, sondern der Mannschaft eher schadest.“
Weniger Druck, mehr Spaß
Ist für ihn jetzt die richtige Zeit, zunächst einmal viel Abstand vom Eishockey zu gewinnen? Nein, denn Weyrich wird weiterhin für den Eishockey-Ausrüster „Warrior“ tätig sein. Weil sich der 36-Jährige eng mit dem Verein verbunden fühlt, wird er den EC Peiting weiterhin verfolgen, wenn auch nicht jedes Spiel. Der Mann mit den fast 1000 Oberliga-Spielen erklärt: „Beim EC Peiting gehen 80 Prozent der Spieler oder mehr jeden Tag in die Arbeit oder in die Schule. Da willst du dann danach, wenn du ins Stadion kommst, eine gute Zeit mit den Jungs verbringen. Dadurch ist eine Kontinuität entstanden, dass viele Spieler über Jahre in Peiting geblieben sind, weil es nicht so diesen Leistungsdruck, dieses du musst, musst, musst, gibt. Du geht dann gerne dort hin. Viele meiner Mitspieler sind zu engeren Freunden geworden, mit denen ich immer noch viel unternehme. Du kommst da hin und willst mit denen Spaß haben. Das macht dann den Unterschied, warum viele Spieler doch noch ein oder zwei Jahre dranhängen.“
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