Alexander Dersch und der EV Landshut: Zu Hause im Glück
Alexander Dersch (links) hat beim EV Landshut unter anderem die Aufgabe, als sogenannter ‚Tough Guy‘ für seine Mitspieler einzustehen. Foto: Christine Vincon
Eigengewächs Alexander Dersch spricht vor dem Saisonstart des EV Landshut über Faustkämpfe, hat eine klare Meinung zu Kritik an Trainer Uwe Krupp und erklärt, warum es für ihn etwas ganz besonderes ist, für seinen Heimatverein zu spielen.
Dass Landshut eine eishockeyverrückte Stadt ist, war auch in der vergangenen Saison wieder zu spüren und zu hören. Über 4000 Zuschauer kamen im Durchschnitt zu den Hauptrundenheimspielen des EVL, nur vier DEL2-Teams hatten einen höheren Zuschauerschnitt, mit Düsseldorf, Krefeld, Kassel und Regensburg sind diese vier Vereine zudem in Städten mit deutlich höheren Einwohnerzahlen beheimatet.
Auch diese Begeisterung von Fanseite macht den EV Landshut natürlich interessant für Spieler. Der 26-Jährige Verteidiger Alexander Dersch weiß es jedenfalls zu schätzen, beim EVL zu spielen. Wahrscheinlich auch noch ein bisschen mehr als andere, scließlich wurde er in Landshut geboren und wurde beim EV Landshut groß. „Der Standort ist sehr traditionell. In Landshut ist Eishockey neben Fußball und Handball der größte Sport. Sehr viele Landshuter kommen ins Stadion, sehr viele Landshuter verfolgen uns am Fernseher, sie fiebern wirklich mit. Das ist schon sehr stark bei uns und absolut schön. Genau das zeichnet den EV Landshut und diese traditionsreiche Stadt aus”, betont Dersch.
Auch in der vergangenen Saison bot der EV Landshut derweil wieder genügend Gesprächsstoff für emotionale Diskussionen. Im Verhältnis zu den, je nachdem, wen man fragt, ordentlichen bis sehr guten finanziellen Möglichkeiten der Niederbayern wurden die sportlichen Erwartungen insbesondere einiger neutraler Beobachter mit Rang acht und dem deutlichen Aus im Playoff-Viertelfinale (0:4 gegen die Krefeld Pinguine) nicht erfüllt, wenngleich die Stimmung in der Fanszene im Vergleich dazu deutlich positiver zu sein scheint.
Uwe Krupp
Besonders gerne scheint Eishockey-Deutschland über EVL-Trainer Uwe Krupp zu diskutieren, was anhand dessen, was dieser Mann für Eishockey-Deutschland geleistet hat und wie präsent der 61-Jährige auch bei der Eishockey-Weltmeisterschaft als TV-Experte wieder war, auch nur logisch erscheint. Dersch verteidigt Krupp: „Ich glaube, jeder Trainer hat denselben Druck, weil man als Trainer einfach vorangehen muss. Wenn das Einer kann, dann ist das Uwe Krupp. Mit seiner Erfahrung und seiner bisherigen Trainer-Tätigkeit hat er das schon gezeigt. Ich glaube, er muss hier in Landshut in der 2. Liga keinem mehr beweisen, was er drauf hat, sondern da geht es eher darum, dass er es sich selbst beweisen will und nicht den anderen Leuten. Die Meinung von ihnen ist ihm ziemlich egal, was auch absolut professionell ist in meinen Augen. Keine Meinung kann die Bedeutung seiner Meinung übersteigen, alleine aufgrund des Fachwissens, das er hat.”
Konstanz und Faustkämpfe
Konstanz gibt es beim EVL derweil nicht nur auf der Trainerbank: Die fünf Topscorer der vergangenen Saison konnten gehalten werden, dem Kader wird eine große Tiefe im Angriff nachgesagt, was auch in den Testspielen mit zahlreichen verschiedenen Torschützen verdeutlicht wurde. Im Testspiel gegen die Blue Devils Weiden, das der EVL mit 7:2 gewann, schoss aber auch Alexander Dersch ein Tor, was für den eher für sein Defensivspiel bekannte Landshuter eher ungewöhnlich ist.
„Ich bin ein sicherer Verteidiger. Ich bleibe eher defensiv und habe dazu auch noch die Rolle, dass ich so ein bisschen als ‚Tough Guy‘ agiere. Wenn es irgendwo Probleme gibt, gehe ich als Erster rein und bin da dann der Erste, der für den anderen dasteht und etwas macht”, so Dersch, dem bei den Schlägereien auf dem Eis laut eigener Aussage aber nicht unbedingt zugute kommt, dass er gerne ins Boxtraining geht. Er betont aber: „Boxen ist eine der besten Sachen, die du machen kannst. Ausdauertechnisch und für den Kopf ist das ein super Training.”
Ein Vorbild, das Alexander Dersch prägte
Hilfreich kann es für Sportler auch sein, sich von anderen Sportlern positive Dinge abzuschauen. In einem Interview mit dem EC Bad Nauheim, für den Dersch in der Saison 2023/24 spielte, sagte er, dass er sich von Nick Pageau am meisten abgeschaut habe. Mit dem 38-jährigen Kanadier, der in der vergangenen Saison übrigens mit Bordeaux französischer Meister wurde und daraufhin seine Eishockey-Karriere beendete, spielte Dersch in der Saison 2022/23 zusammen.
„Nick Pageau war schon damals ein sehr erfahrener Spieler. Er hat das auf das Eis gebracht, was er erzählt hat und was man von ihm erwartet. Viele reden immer nur und kriegen ihre Rolle, aber man muss es auch zeigen. Er war auf dem Eis und neben dem Eis wichtig. Das vergessen viele und das kann kein Fan sehen. Er war in der Kabine ein Topspieler. Wenn du ihn zu Hause gebraucht hast, war er für dich da. Das sind so Kleinigkeiten, die ich als Mitspieler sehe. Deswegen war und ist das immer noch ein absolutes Vorbild für mich”, lobt Dersch, der seinen Blick nun aber wieder auf die Gegenwart richtet.
Von Favoriten und ekligen Gegnern
Als Titelfavoriten nennt der EVL-Verteidiger keine überraschenden Namen: „Dresden hat ein Topteam, das hat man bereits in der Vorbereitung gesehen. Dresden und Kassel sind die Namen, die man nennen muss und die auch schon in den vergangenen Jahren ziemlich weit oben waren. Das kommt nicht von irgendwo her. Sie machen vieles richtig und werden wieder die Favoriten sein in diesem Jahr. Allerdings darf man auch die anderen Teams, so wie uns, nicht unterschätzen. Wir haben ein Team, das jeden schlagen kann. Das haben andere aber auch. Man wird sehen, wer das Rennen macht.”
Für den EV Landshut beginnt die Saison am Freitag (19.30 Uhr) mit einem Auswärtsspiel bei den Lausitzer Füchsen. Weißwasser sei „ein Team, das sich die Punkte ein bisschen eklig” erspiele. Da gelte es dagegenzuhalten. Am Sonntag (17 Uhr) steigt in der VR-Bank Landshut Arena das erste Heimspiel der Saison gegen die Düsseldorfer EG, einen Gegner den Dersch als deutlich stärker einschätzt als in der vergangenen Saison, als die DEG Neunter wurde.
Zu Hause im Glück
Die Düsseldorfer EG ist übrigens ein weiterer Ex-Klub von Dersch, auch in Kanada spielte er ein Jahr. „Es ist schön, mal wegzukommen. Man lernt neue Leute kennen, ein neues Umfeld, ist weg von der Familie und von seinen engsten Freunden. Aber spielerisch hat mich das nicht unbedingt verbessert. Ganz im Gegenteil: Ich glaube, daheim spielt man nochmal ganz anders. Man spielt mit Herz und Leidenschaft. Beim Heimatverein ist das nochmal etwas ganz anderes. Ich bin einfach froh, dass ich in Landshut bin und will auch so schnell nicht mehr weg.”
Mehr zum EV Landshut und zu Neuzugang Fabian Voit lest ihr hier.
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