Oberliga-Anpassungen, Bruderliebe und ein noch unerledigter Job: Tomas Schwamberger und der ESV Kaufbeuren im Fokus
2024 erzielte Tomas Schwamberger im finalen sechsten Spiel des DEL2-Finals zwischen den Eisbären Regensburg und den Kassel Huskies nach 129 Sekunden das 1:0 für die Niederbayern. In Kaufbeuren möchte der 27-Jährige nun an seine erfolgreiche Zeit in Niederbayern anknüpfen. Foto: ESVK/Alex Winterholler
Der ESV Kaufbeuren war als Topfavorit in die Oberliga Süd gestartet, verlor am 2. Spieltag dann aber mit 1:4 bei den Heilbronner Falken. Neuzugang Tomas Schwamberger spricht über die notwendigen Anpassungen an die Oberliga, seine schnelle Entscheidung für den ESVK und seinen Wunsch, irgendwann mit seinem Bruder zusammenzuspielen.
Wer sich in der Oberliga Süd umhört, bekommt als Meisterschaftstipp meist als erstes den ESV Kaufbeuren genannt, was nicht nur auf die finanziellen Möglichkeiten des Vereins zurückzuführen ist, sondern auch auf die vermeintlich hohe individuelle Qualität des Teams, das fast gänzlich aus Spielern mit DEL2-Erfahrung besteht. Mit Kapitän Maximilian Renner kam zudem ein Spieler hinzu, der in den vergangenen fünf Saisons für die Bietigheim Steelers und die Augsburger Panther in der DEL spielte und einiges an Erfahrung mitbringt.
Insgesamt sind nur noch acht Spieler aus der DEL2-Abstiegsmannschaft des ESVK im neuen Kader, der beispielsweise von Deggendorfs Thore Weyrauch als möglicherweise sogar noch etwas stärker als in der vergangenen Saison eingeschätzt wird. Auffällig ist auch, dass die Allgäuer einige Rechtsschützen dazugeholt haben, nachdem der Mangel an diesen in der vergangenen Saison ein viel diskutiertes Thema bei den Buron Jokern war.
Die zweite Reihe des ESV Kaufbeuren
Einer dieser Rechtsschützen ist der Finne Eero Elo, der im ersten Saisonspiel des ESVK, das die Allgäuer mit 2:0 gegen die Tölzer Löwen gewannen, direkt einen Treffer schoss. Beim ESV Kaubeuren spielt der 36-Jährige erneut mit Tomas Schwamberger zusammen. Das Duo war in den vergangenen beiden Saisons noch gemeinsam für den EHC Freiburg aufs Eis gegangen.
Komplettiert wurde die zweite Reihe des ESVK in den ersten beiden Oberliga-Spielen der Saison von Andrew Yogan. Den ehemaligen Spieler der Dresdner Eislöwen und der Eisbären Regensburg konnten die Allgäuer für viele Beobachter etwas überraschend aus Norwegen nach Kaufbeuren lotsen. Zum Start der Vorbereitung wurde die Schwamberger-Reihe derweil noch von Sami Blomqvist komplettiert.
„Beide sind richtig gute Spieler“, sagt Schwamberger über Yogan und Blomqvist, wenngleich Letzterer in Fankreisen teilweise durchaus in der Kritik steht. „Sami ist laufstark und ein richtig schneller Spieler, der einen super Schuss hat. Yogan ist ein sehr cleverer Spieler. Er hat viele Möglichkeiten, die ein normaler Spieler nicht hat. Er hat einen super Pass.“
Erstaunliche Harmlosigkeit in Heilbronn
Die große Qualität, die in diesem Kader zweifelsohne steckt, war in den ersten beiden Oberligaspielen aber nur teilweise zu sehen, vielmehr war es ein Auf und Ab. Im Auftaktspiel besiegte der ESVK in der mitunter ohrenbetäubend lauten Energie Schwaben Arena die Tölzer Löwen mit 2:0. „Wir haben schon über die Stimmung gesprochen. Ich liebe es, wenn ein Mitspieler im Spiel mit mir spricht und mir zum Beispiel sagt, dass ein Gegenspieler hinter mir ist. Im ersten Spiel war es so laut, dass es richtig schwierig war, mich anzusprechen. Gleichzeitig ist das auch richtig gut. Die Choreo war super und die Fans haben eine richtig gute Stimmung gemacht“, schwärmt Schwamberger.
Gut war dann auch die Leistung des ESVK, die zu einem verdienten 2:0-Sieg führte, der sogar noch höher hätte ausfallen können. In Heilbronn ging es aber weitaus weniger erfreulich weiter, bei den Falken setzte eine 1:4-Niederlage. „Die Erwartungen an uns sind höher. Wir sollten besser spielen und mehr Tore schießen“, kritisiert Schwamberger. Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Dass man nach dem Sieg gegen Bad Tölz zu selbstsicher ins Spiel gegangen sei, schließt Schwamberger allerdings aus, vielmehr habe man einfach nicht gut genug gespielt.
Die Umstellung von der DEL2 auf die Oberliga
Offenbar spielt auch die Umstellung von der DEL2 auf die Oberliga eine gewisse Rolle. „Es ist ein anderes Tempo, ein anderes Eishockey. Wir müssen auf die Oberliga schauen und dürfen nicht das gleiche Eishockey spielen wie in der DEL2“, meint der 27-Jährige. In der Oberliga müsse man nicht immer das erste Play machen, sondern könne sich mehr Zeit dafür lassen, das Spiel zu beobachten, um dann den optimalen Pass beziehungsweise die optimale Option auszuwählen.
Eine schnelle Entscheidung in der Offseason und positive erste Eindrücke
Apropos beste Option auswählen. Für Schwamberger war diese Option im Sommer offenbar der ESV Kaufbeuren, was er auch mit Trainer Sebastian Buchwieser begründet. Über den 46-Jährigen, der bei den Blue Devils Weiden nachweislich gute Arbeit machte, sagt Schwamberger: „Ich habe bereits in der Oberliga gegen ihn gespielt, bevor er mit Weiden aufgestiegen ist. Weiden hatte immer eine gute Taktik und ein gutes System. Es war immer schwierig, gegen sie zu spielen, deswegen wusste ich, dass er ein guter Trainer ist. Als er mich dann in der Offseason angerufen hat, ist es schnell gegangen.“
Trotz des durchwachsenen Saisonstarts, wenn man davon nach gerade einmal zwei Spielen schon sprechen kann, hat Schwamberger seinen Wechsel noch nicht bereut. „Die Kabine ist richtig gut. Wir haben viele gute Spieler und auch die jungen Spieler sind richtig gut. Ich denke, wir haben eine gute Chemie auf dem Eis“, so Schwamberger, der dann auch noch ein bisschen von den guten Rahmenbedingungen mit einer super Kabine, einem schönen Kraftraum und einem guten Athletiktrainer sowie von den, soweit er das beurteilen könne, professionell arbeitenden Büromitarbeitern erzählt.
Das Ziel des defensiv- und laufstarken Centers ist klar: „Wir sehen uns auch als Favorit. Wir wollen wieder in die DEL2 aufsteigen. Aber diese Aussage führt nicht dazu, dass man automatisch das Spiel gewinnt. Das haben wir schon am Sonntag gesehen. In der Oberliga sind viele gute Mannschaften.“
Erfolge in Regensburg, Trainerrochaden in Freiburg
Für Schwamberger ist ein guter Start in Kaufbeuren auch insofern wichtig, als dass er zwei doch eher komplizierte Jahre in Freiburg hatte. Dort standen während seiner beiden Jahre vier Trainer an der Bande. „Es war anstrengend“, gibt Schwamberger zu. „Kein Spieler kann sagen, dass es schön ist, so viele Trainer zu haben. Es gab viele Taktik- und Systemwechsel. Das ist nicht so gut, aber die Spieler in der Kabine waren super. Meine kleine Tochter war auch dabei. Ich möchte mich immer auf die positiven Dinge fokussieren.“
Solche erlebte er zuvor in seinen fünf Jahren bei den Eisbären Regensburg zuhauf. Zwei Meisterschaften feierte er mit den Eisbären. „Es ist immer schön, eine Meisterschaft zu gewinnen. Ich habe dort viele Freunde gefunden und liebe die Stadt sehr“, betont der Deutsch-Tscheche.
Bruder Daniel Schwamberger als Vorbild
Schwamberger stammt aus der Kleinstadt Vimperk (deutsch Winterberg) in Südböhmen. Weil es dort nicht allzu viele Eishockeyspieler gibt, zog er mit 14 Jahren von zu Hause weg, um in Pisek zu spielen – ein Schritt, den sein vier Jahre älterer Bruder Daniel Schwamberger, der mittlerweile in Leipzig spielt, bereits zuvor gemacht hatte. „Das war alles nicht so schwierig für mich. Du bist dadurch schneller erwachsen geworden“, sagt Tomas Schwamberger, der in Pisek gemeinsam mit einigen Mannschaftskollegen in einem Hotel wohnte.
Dass er diesen Weg so erfolgreich gehen konnte, hat er vermutlich auch seinem Bruder zu verdanken: „Ich habe seinen Weg kopiert. Er hat mir immer dabei geholfen, mich an neue Umstände anzupassen.“ Entsprechend verwundert ein Wunsch des 27-Jährigen nicht: –Es wäre schön, wenn wir irgendwann zusammen in einer Mannschaft spielen könnten.“
Der ESV Kaufbeuren hat einen Job zu erledigen
Beim ESV Kaufbeuren geht es für ihn aber erst einmal mit Spielen gegen die Erding Gladiators (Freitag, 19.30 Uhr) und bei den noch punktlosen Lindau Islanders (Sonntag, 18 Uhr) weiter. „In der Vorbereitung haben wir gegen München und Erding gespielt. Ich bereite mich auf jeden Gegner gleich vor. Das macht jeder Spieler von uns. Wir sind Profi-Spieler. Das ist unsere Arbeit.“ Der ESV Kaufbeuren hat einen Job zu erledigen.
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