Nach harten Jahren: Starbulls-Neuzugang Erik Ullman hat große Ziele

Erik Ullmann Starbulls Rosenheim

Zwei Siege und drei Niederlagen aus den ersten fünf Testspielen stehen für Erik Ullmann (links) und Co. zu Buche.  Foto: Ludwig Schirmer

Der 29-jährige Schwede Erik Ullman kam in diesem Sommer aus der Slowakei zu den Starbulls Rosenheim. Im Interview mit „Logbuch Sport“ erzählt der offensivstarke Verteidiger von diversen weniger erfolgreichen Episoden in seiner Karriere, den ersten Eindrücken beim neuen Verein und einem der besten Gefühle im Eishockey.

Herr Ullman, Sie sind aus der Region südlich von Stockholm, also aus einer wirklichen Eishockey-Region, die große Spieler wie den 854-fachen NHL-Spieler und den zweimaligen Stanley-Cup-Sieger Carl Hagelin. War Ihr Weg zum Eishockey ein kurzer?

Erik Ullman: Ja, das würde ich sagen. Ich bin in einer Region aufgewachsen, in der Eishockey sehr populär ist und habe mit jungen Jahren mit dem Sport angefangen. Es gab viele gute Spieler um mich herum und eine große Eishockey-Kultur, deswegen hat es sich sehr natürlich für mich angefühlt, mit diesem Sport anzufangen. Ich habe es von Anfang an genossen und ziemlich schnell realisiert, dass Eishockey etwas ist, dass ich ernst nehmen will.

Sie kamen durch das System von Södertälje SK und spielten für den Verein in der zweiten schwedischen Liga. 2016 wechselten Sie dann aber über den Atlantik und spielten zehn Spiele für Bloomington Thunder in der USHL. Warum blieb es bei einem so kurzen Abenteuer?

Erik Ullman: Das war eine großartige Erfahrung für mich, aber ist nicht auf die Art und Weise geendet, auf die ich gehofft hatte. Ich ging dort hinüber, um mich selbst herauszufordern und mich als Spieler weiterzuentwickeln, aber nach kurzer Zeit stellte ich fest, dass die Situation zu der damaligen Zeit nicht die richtige für mich war. Wenn ich darauf zurückschaue, auch wenn es nur zehn Spiele waren, dann habe ich aus dieser Erfahrung viel gerlernt. Das war definitiv wertvoll für meine Entwicklung.

2023 schlossen Sie sich dann HCV Martigny aus der Swiss League an. Der Klub zog sich dann am Ende der Saison aus finanziellen und infrastrukturellen Gründen aus dem professsionellen Eishockey zurück. Wie haben Sie diese Situation aus Spielersicht wahrgenommen?

Erik Ullman: Das war natürlich eine sehr schwierige und ungewöhnliche Situation. Als Spieler fokussierst du dich immer auf das Eishockey und darauf, deinen Job jeden Tag zu erledigen. Wenn dann auf einmal Dinge um den Verein herum passieren, dann hast du darüber sehr wenig Kontrolle. Es war enttäuschend, weil wir eine gute Spielergruppe hatte und dort etwas aufbauen wollten. Gleichzeitig hat es mich gelehrt, dass sich Dinge sehr schnell verändern können im professionellen Eishockey und dass du dich auf verschiedene Situationen vorbereiten musst.

In der Slowakei steckten Sie daraufhin mit zwei unterschiedlichen Mannschaften am unteren Ende der Tabelle fest, einmal mussten Sie sich durch die Abstiegsrunde kämpfen. Gleichzeitig lieferten Sie persönlich gute Statistiken. Wie schwierig und vielleicht auch frustrierend ist es, wenn man individuell gute Leistungen zeigt, diese aber nicht zu mannschaftlichem Erfolg führen?

Erik Ullman: Das ist definitiv frustrierend. Eishockey ist ein Mannschaftssport, deswegen bedeuten individuelle Zahlen nicht so viel, wenn das Team nicht gewinnt. Natürlich willst du zum offensiven Erfolg deines Teams beitragen und deinen job erledigen, aber am Ende des Tages spielst du, um Spiele zu gewinnen. Wenn du im Abstiegskampf bist, hast du viel Druck und jedes Spiel wird extrem wichtig. Diese Erfahrungen waren schwierig, aber haben mich auch zu einem erwachseneneren Spieler gemacht und mir beigebracht, wie wichtig es ist, fokussiert und positiv zu bleiben, selbst wenn die Dinge nicht so laufen, wie man sich das vorstellt.

Spielten diese Erfahrungen auch eine Rolle dabei, zu den Starbulls Rosenheim zu wechseln? Hier sind die Erwartungen natürlich andere: Anstatt gegen den Abstieg zu kämpfen, hat sich der Verein vorgenommen, sich in der Ligaspitze zu etablieren und einen tiefen Playofflauf zu machen.

Erik Ullman:  Ja, definitiv. Ich wollte in einer Situation sein, wo es die Ambition ist, mit den Topteams zu konkurrieren und wo es in jedem Spiel darum geht, sich für etwas Größeres einzusetzen. Das ist eine große Motivation für mich. Ich habe gespürt, dass Rosenheim ein Verein ist, der aufgrund seiner Ambition, Organsation und Unterstützung dazu in der Lage ist, den nächsten Schritt zu machen. Ich will teil einer Mannschaft sein, die erwartet, zu gewinnen und die hoffentlich am Ende der Saison um etwas Wichtiges spielt.

Was wussten Sie über die Starbulls bevor Sie dem in den Verein kamen und was sind Ihre ersten Eindrücke seit dem ersten Eistraining am 5. August?

Erik Ullman: Ich wusste, dass Rosenheim eine sehr große Eishockeytradition hat und dass die Fans sehr ledienschaftlich sind. Ich habe auch gute Dinge über die Organisation und die Athmosphäre um das Team herum gehört. Meine ersten Eindrücke waren sehr positiv. Vom ersten Tag an habe ich mich sehr willkommen gefühlt. Die Gruppe ist sehr gut, sowohl auf dem Eis als auch Abseits. Die Atmosphäre ist professionell. Man spürt, dass sich die Leute um den Verein herum wirklich um das Team kümmern. Ich bin sehr glücklich mit der Entscheidung hier herzukommen.

Auch wenn es auf der Welt deutlich mehr Rechtshänder gibt, sind die meisten Eishockeyspieler Linksschützen. Glauben Sie, dass es für Sie ein Vorteil ist, ein Rechtsschütze zu sein?

Erik Ullman: Ich denke, es kann dir in manchen Situationen einen Vorteil geben. Da es weniger Rechtsschützen gibt, hast du manchmal ein bisschen mehr Raum oder du hast einen etwas anderen Winkel, als es die Verteidiger gewohnt sind. Aber am Ende des Tages geht es meiner Ansicht nach mehr darum, wie du deine Fähigkeiten nutzt und wie du das Spiel verstehst.

Sie gelten als sehr guter One-Timer-Schütze. Sind wir mal ehrlich: Es gibt wenige Dinge im Eishockey, die ein so befriedigendes Gefühl hinterlassen, wie ein perfekter One-Timer, oder?

Erik Ullmann: Absolut! Es gibt wirklich nicht viele bessere Gefühle. Wenn du einen perfekten Pass bekommst und du dann den Puck genau wo du es willst erwischt und ihn sauber triffst, dann ist das ein großartiges Gefühl. Besonders wenn der Puck dann im Netz landet.

Wie haben Sie es geschafft, Ihren One-Timer zu einer großen Qulität zu machen?

Erik Ullman: Viele Wiederholungen. Ich habe in meiner Karriere viel Zeit beim Training verbracht, sowohl auf dem Eis als auch außerhalb. Ich denke, dass es das Wichtigste ist, nicht nur viel zu schießen, sondern an deinem Timing und deiner Positionierung zu arbeiten. Außerdem geht es darum, den Schuss schnell loszuwerden.

Wenn Sie sich die Neuzugänge der Starbulls anschauen, dann sticht viel Erfahrung ins Auge. Daniel Fießinger ist 29, Sean Giles 30. Tomáš Rubeš ist 33 Jahre alt, Ryan McKiernan sogar 37. Glauben Sie, dass diese Erfahrung genau das ist, was Rosenheim braucht, um diesen angesprochenen nächsten Schritt machen zu können?

Erik Ullman: Das denke ich definitiv. Erfahrung ist wirklich wichtig, besonders wenn du an der Spitze der Liga mithalten willst und in den Playoffs weit kommen willst. Wir haben in unseren Karrieren bereits viel erlaubt. Hoffentlich können diese Erfahrunge der Mannschaft helfen. Gleichzeitig haben wir eine gute Mischung aus erfahrenen Spielern und jüngeren Spielern mit viel Energie und Talent. Diese Kombination kann sehr wichtig werden. Aber am Ende des Tages geht es nicht um Namen und um das Alter. Es geht darum, wie man als Mannschaft zueinander findet, für den anderen arbeitet und zusammen etwas aufbaut während der Saison. Ich glaube, dass wir viel Potenzial haben. Jetzt geht es für uns darum, das auf dem Eis zu zeigen.

Das Interview führte Lukas Bergmann.

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