EC Peiting: Fünf Punkte zum Start – und trotzdem noch Luft nach oben

Dennis Krutsch EC Peiting

Dennis Krutsch machte einst zwei Spiele für die U16 des ESV Kaufbeuren sowie vier Spiele für den ESC Kempten, verbrachte den Großteil seiner Eishockey-Laufbahn aber beim EC Peiting. Foto: privat

Der EC Peiting ist mit fünf Punkten aus den ersten zwei Spielen in die neue Oberliga-Saison gestartet. Für Dennis Krutsch und Co. gibt es vor dem anspruchsvollen zweiten Saisonwochenende aber noch Einiges zu verbessern.

Die Overtime in der Oberligapartie zwischen den Selber Wölfen und dem EC Peiting hatte gerade erst begonnen, da skatete Carson MacKinnon über die blaue Linie, wurde von keinem Gegenspieler angegriffen und schoss den Puck zum 6:5 ins Tor. Am Freitag hatte der ECP bereits mit 6:2 (das Spiel war wesentlich enger als das Ergebnis) gegen die Stuttgart Rebels gewonnen, was zu einer Zwischenbilanz von fünf Punkten aus zwei Spielen führt.

„Es war ein super Wochenende, eigentlich geht es kaum besser“, betont Dennis Krutsch gegenüber „Logbuch Sport“. Der 23-jährige gebürtige Münchner, der am Tag der Veröffentlichung dieses Texts übrigens Geburtstag hat, sieht aber auch noch viel Potenzial für Verbesserungen: „Wir haben Fehler gemacht. Wir haben unnötigerweise oft in Unterzahl gespielt. Daran können wir auch arbeiten.“ ECP-Trainer Landon Gare sprach auf der Pressekonferenz nach dem Spiel sogar davon, dass beide Trainer „grau geworden“ seien und beide Mannschaften über weite Teile des Spiels ihr Bestes dafür gegeben hätten, um zu verlieren.

Selb lädt Peiting zum Toreschießen ein

Ein Fehlerfestival war das Spiel zunächst aber vor allem von Selber Seite aus. Etwas mehr als eine Minute war gespielt, da leitete Dominik Müller mit einem schlechten Pass das 0:1 von Lubor Dibelka ein. In der 6. Spielminute war es dann Daniel Ulrich, dessen etwas unsauberer Pass von Maximilian Gläßl nicht optimal angenommen wurde, was wiederum das 2:0 von Nikita Naumann einleitete. Selb reagierte zunächst mit vier Abschlüssen in kurzer Abfolge, ehe Ulrich mit einem missglückten Pass hinter dem Rücken dann aber das 3:0  von Vincent Reimer in die Wege leitete.

Während Peiting seine Spielweise anfangs konsequent aufs Eis brachte, sah sich Wölfe-Trainer Josef Huber zu einer frühen Auszeit gezwungen. Glücklicherweise aus Wölfesicht wurde sein Team dann durch zahlreiche Strafzeiten vom Gegner wieder stark gemacht. Weil Maximilian Rieger die Scheibe nicht klären konnte, konnte der vor dem Peitinger Kasten lauernde Philip Rubin zum 1:3 verkürzen.

Bemerkenswertes Wölfe-Comeback und ein überraschender Wendepunkt

Der Wölfe-Center legte in der 24. Minute mit einer schönen Einzelaktion das 2:3 nach. Ärgerlich aus ECP-Sicht: Sowohl Czogallik als auch Holzmann konnten Rubins Scheibengewinn in der neutralen Zone nicht verhindern. Spätestens als Dominik Müller mit zwei satten Schüssen das Spiel zum 4:3 gedreht hatte, Georg Thal nach sehenswerter Vorlage von Lukas Krieger auf 5:3 erhöhte, und Carson Briere eine Spieldauerstrafe kassierte, schien das Spiel aus Peitinger Sicht gelaufen zu sein. Die Spieldauerstrafe entwickelte sich dann aber überraschenderweise zu einer Art Wendepunkt.

Der starke Neuzugang Nikita Naumann brachte Peiting nach einem Alleingang mit einem Schuss von der blauen Linie zurück ins Spiel. Auch neben seinen Toren machte der 24-jährige Füssener einen dynamischen Eindruck. Viel zu viel Platz hatte in der 56. Minute dann Vincent Reimer, der zum 5:5 ausglich und damit den Overtime-Treffer von MacKinnon erst ermöglichte.

Ein kongeniales Nordamerika-Duo 

Einen großen Anteil am guten Saisonstart des EC Peiting hat natürlich das Duo MacKinnon/Briere. MacKinnon kommt nach zwei Spielen bereits auf drei Tore und drei Assists, bei Briere sind es fünf Assists. Auch Krutsch betont: „Natürlich sind die beiden für uns sehr wichtig. Was ich auch als großen Vorteil ansehe, ist, dass sie letztes Jahr schon da waren und sich schon da in die Mannschaft mit eingebracht haben. Es sind keine Neuen, die sich einspielen müssen. Das erleichtert nochmal einiges.“

Dennoch war auch bei den Selber Wölfen einiges an individueller Qualität zu sehen. Qualität, die Wölfe-Trainer Josef Huber nach dem Spiel ja auch hervorhob und die dieses Spiel aus seiner Sicht womöglich zu einem umso frustrierenderen Erlebnis machte. Die große Anzahl an Fehlern, die im weiteren Spielverlauf dann aber nicht mehr so konsequent vom EC Peiting ausgenutzt wurden wie in der Anfangsphase, trübte das Selber Bild deutlich. So hatte man zwar den Eindruck, Selb habe Tempovorteile, doch Peitings körperbetonte Spielweise bereitete den Wölfen mitunter Probleme.

Ein Gegenpol

In die Spielweise des ECP passt Dennis Krutsch als Gegenpol. Bei ihm ist das Körperspiel eher eine Schwäche, dafür kommt der 23-Jährige über die Geschwindigkeit. Viel zu sehen war er im Spiel gegen die Selber Wölfe nicht, zu oft gab es Unter- beziehungsweise Überzahlsituationen, also Spielsituationen, in denen der 23-Jährige von Trainer Landon Gare nicht eingesetzt wird.

Der Stürmer weiß um seine Rolle in der vierten Reihe beim ECP: „In der vierten Reihe geht es eigentlich eher darum, simpel zu spielen und, wie gesagt, keine Fehler zu machen, aber wir versuchen genauso ein Tor zu schießen wie die anderen.“ Im Zuge einer Vertragsverlängerung lobte Gordon Borberg, der Sportliche Leiter des ECP, 2024 Krutschs starken Schuss und seine läuferischen Fähigkeiten. Am Spiel ohne Puck müsse er aber noch arbeiten. „Ich hoffe, dass sich daran was getan hat. Ich habe schon das Gefühl“, kommentiert der 23-Jährige diese kleine Kritik.

Helfen, wo es geht

Bereits als 16-Jähriger gab er sein Oberliga-Debüt, über die Jahre wurde er aber eher behutsam an die Oberliga herangeführt, in den vergangenen Jahren war er immer wieder als Förderlizenzspieler für die Schongau Mammuts in der Bayernliga im Einsatz. In diesem Jahr ist dies letztmals möglich. „Ich werde dort auch dieses Jahr noch aushelfen, wenn es geht, denke ich“, so Krutsch.

Nicht jeder Spieler findet sich mit einer Rolle in der vierten Reihe ab, beim 23-Jährigen ist allerdings keinerlei Groll spürbar. Trainer Gare gebe „sein Bestes, uns so oft wie möglich das Eis zu lassen“, betont er stattdessen. Und vielleicht ist so eine vierte Reihe in einer Mannschaft, die eher von der Mentalität lebt als von der individuellen Klasse, welche natürlich nicht so groß ist und nicht so groß sein kann wie zum Beispiel in Kaufbeuren oder Deggendorf, ja noch ein Stückchen wichtiger als an anderen Standorten.

Die Aufgaben werden nicht einfacher

Für den EC Peiting geht es mit einem Niederbayern-Doppelpack weiter: Am Freitag (19.30 Uhr) geht es gegen die Passau Black Hawks, ehe am Sonntag (18.45 Uhr) ein Auswärtsspiel beim Deggendorfer SC auf dem Plan steht. „Das wird auf jeden Fall ein schwieriges Wochenende. Ich denke, dass man in der Liga niemanden unterschätzen braucht oder kann. Wir müssen in jedem Spiel alles geben, egal, gegen wen wir spielen“, fordert Krutsch. Und wieder von Anfang an eiskalt da zu sein, wenn die Konkurrenz Schwächen zeigt, wäre sicherlich auch keine schlechte Idee.

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