Dominik Kolb von den Starbulls Rosenheim: Wenn der Stürmer während dem Spiel zum Verteidiger wird
45 Spiele in der Hauptrunde und sechs in den Playoffs: Dominik Kolb (hier im Spiel gegen die Eisbären Regensburg) war in der abgelaufenen Saison bei den Starbulls Rosenheim gesetzt. Foto: Ludwig Schirmer
Ob Sturm oder Verteidigung: Dominik Kolb von den Starbulls Rosenheim spielt dort, wo es sein Trainer braucht. Der 29-Jährige spricht über seine ungewöhnliche Rolle, die Entwicklung der Starbulls Rosenheim und die Gründe für die Playoff-Niederlage gegen die Eisbären Regensburg.
Es läuft die siebte Spielminute der Verlängerung in Spiel sechs des DEL2-Viertelfinals zwischen den Starbulls Rosenheim und den Eisbären Regensburg, als sich die Starbulls in doppelter Unterzahl auskontern lassen. Jeremy Bracco legt ab auf Alex Berardinelli, der zu Bryce Kindopp querlegt. Der 26-jährige Kanadier schiebt die Scheibe ins halbleere Tor ein und beendet die Meisterschaftsträume der Starbulls Rosenheim.
Es war eine enge Serie, die die Starbulls Rosenheim in einem Paralleluniversum vielleicht sogar gewonnen hätten. In Spiel drei ging es bis in die vierte (!) Overtime, was den Regensburger Trainer Peter Flache nach der Serie gar dazu bewog, diesen Sieg seiner Mannschaft als „Glückssache“ einzuordnen. In Spiel fünf zeigte Regensburg eine beinahe beängstigende Effizienz, in Spiel sechs vergaben Scott Feser (15. Spielminute), Lewis Zerter-Gossage (30.) und Ville Järvelainen (3. Minute der Verlängerung) frei vor dem überragenden Regensburger Goalie Jonas Neffin.
Bitterer K.O. in den Playoffs
Doch dies ist kein Paralleluniversum, es ist aus Rosenheimer Sicht die brutale Realität. „Es geht immer so schnell, dass du dann nicht mehr dabei bist“, muss Dominik Kolb auch einige Tage nach der intensiven Serie noch einmal tief durchatmen. Einer der Hauptgründe für das Ausscheiden: In den letzten vier Spielen in der Serie gegen Eisbären Regensburg kassierten die Starbulls 18 Gegentreffer. Zum Vergleich: In der Hauptrunde stellten die Oberbayern mit 126 Gegentoren in 52 Spielen noch die zweitbeste Defensive der DEL2.
Entsprechend bilanziert Kolb: „Wir haben unsere Defensive vernachlässigt. Es waren viele Kleinigkeiten. In meinen Augen waren wir die fittere Mannschaft, aber unser Defensivverhalten war nicht gut genug.“ Was Kolb meint: Das Stellungsspiel beim sogenannten Box-Out, also in Situationen, in denen es darum geht, den Verteidiger aus der Zone vor dem Tor, dem sogenannten Slot zu drängen, wurde „vergessen“. Pässe aus der eigenen Zone wurden „schlampig“ gespielt und fanden nicht den Weg auf den Schläger des Mitspielers. Scheiben wurden in Situationen, in denen das nötig gewesen wäre, nicht aus der eigenen Zone herausgespielt. Kolb will dafür aber nicht nur die Verteidiger kritisieren, sondern betont, dass die Defensive bereits in der Offensive anfängt.
Was auch eine Rolle gespielt haben dürfte: Während Rosenheim gegen Mannschaften wie die Kassel Huskies oder die Krefeld Pinguine aus der Defensive heraus agieren konnte und die eigenen Stärken im Konterspiel nutzte, mussten die Starbulls gegen die Eisbären Regensburg selbst das Spiel machen. Eine Ausgangslage, die der Mannschaft offenkundig nicht ganz so gut liegt. Das Fazit von Kolb: „Wir haben unser Bestes versucht. Niemand ist mit dieser Situation zufrieden.“
Hohe Ansprüche
Schon gar nicht nach so einer guten Hauptrunde, die Rosenheim auf Rang drei abschloss. Die Erwartungshaltung ist in Rosenheim groß, daran ändert auch der Fakt nichts, dass die Starbulls erst 2023 aus der Oberliga Süd in die DEL2 aufgestiegen sind. Die Standort hat sich weiterentwickelt, auch infrastrukturell. Was mit dem Kabinentrakt begann, wird mit den neuen Logenplätzen im ROFA-Stadion fortgesetzt. Mehr als 600 statt wie bisher 240 Personen sollen auf den Businessplätzen künftig untergebracht werden. „Der Anspruch ist immer da, in der DEL zu spielen“, betont auch Kolb auch mit solchen Entwicklungen im Hinterkopf. Er stellt klar: „Wir haben von oben aber nie den Druck erfahren, dass wir aufsteigen müssen.“
Aufstieg und Umbruch
Auch nicht 2023, als Rosenheim mit einem Kader, der vermeintlich nicht die allerhöchste Qualität mitbrachte, in die DEL2 aufstieg. Ähnlich wie Ex-Starbulls-Goalie Andreas Mechel erinnert sich Kolb gerne an die Aufstiegssaison zurück: „Wir waren einfach ein Team, eine Einheit. Jeder hat für den anderen einen Extraschritt gemacht. Wir waren Freunde. Man steht natürlich auch noch in Kontakt mit manchen, schreibt eine kurze Whattsapp-Nachricht oder ruft an.“
Die Grundlagen für so einen Aufstieg, das betont Kolb besonders, sie werden in den Jahren vor dem Aufstieg gelegt. Allerdings müssen die Starbulls nun erneut einige Abgänge kompensieren, darunter auch namhafte Spieler wie C. J. Stretch, 36, oder Teemu Pulkkinen, 34. „Gott sei Dank bin ich kein Trainer“, meint Kolb dazu. „Ich habe volles Vertrauen in das Trainerteam und in den Verein. Wir haben immer eine gute Mannschaft, obwohl wir jedes Jahr einen Umbruch haben.“ Teil dieses Umbruchs ist auch, dass Maximilian Vollmayer den Klub nach zwölf Jahren verlassen wird. „Der Abgang von Vollmayer tut mir besonders weh“, gibt Kolb, der bereits als 12-Jähriger mit Vollmayer spielte, zu.
Ein Spieler zwischen den Welten
Kolb selbst hat seinen Vertrag im Februar verlängert und wird damit in der Saison 2026/27 in seine siebte Saison bei den Starbulls gehen. Der 29-Jährige spielte in der Jugend der Tölzer Löwen als Stürmer. 2016 wechselte er zu den Selber Wölfen. Dort gab es plötzlich personelle Probleme in der Defensive. Trainer Henry Thom fragte Kolb, so schildert es der 29-Jährige zumindest: „Hast du schon mal Verteidiger gespielt?“ Kolbs Antwort sei gewesen: „Ja, ja. Ab und zu mal.“ Weil das Experiment dann „überragend“ funktionierte, wie Kolb selbstbewusst erzählt, spielte der ehemalige Angreifer in seiner restlichen Zeit bei den Wölfen, die bis 2019 andauerte, in der Verteidigung. In seinen ersten beiden Saisons in Rosenheim blieb er bei dieser Position.
Kolb spielt in Rosenheim in den hinteren Reihen. Dort geht es darum, dem Gegner „unter die Haut“ zu gehen, wie es Kolb ausdrückt. Kolb bringt die läuferischen Fähigkeiten mit, den Gegner im Forechecking schnell unter Druck zu setzen, dies war auch in der Playoff-Serie gegen die Eisbären Regensburg deutlich zu sehen. „Ich habe es schon früher, als ich Eishockey als Zuschauer angeschaut habe, geliebt, wenn Spieler auf den Körper gehen und Schüsse blocken“, erinnert er sich. Seine Qualitäten als Arbeiter entstammen also offenbar auch aus einer frühen Prägung heraus.
„Ich musste mir die Laufwege von allen Spielern auf dem Eis einprägen. Mein Kopf hat gebrannt“
Dominik Kolb über seine Doppelrolle als Angreifer und Verteidiger
Die Starbulls jedenfalls verpflichteten nach Kolbs ersten beiden Saisons in Rosenheim Jari Pasanen als neuen Cheftrainer. Der Finne machte Kolb zu einem Allrounder, fortan wurde er als Verteidiger und als Stürmer eingesetzt. In dieser Saison gab es sogar Spiele, in denen Kolb als Stürmer startete und dann während des Spiele zum Verteidiger umfunktioniert wurde. Insgesamt wurde er aber öfter als Stürmer eingesetzt als als Verteidiger. Mit einem Schmunzeln berichtet Kolb: „Ich habe noch nie so viele Meter auf der Spielerbank zurückgelegt.“ Natürlich bezieht er sich darauf, dass die Verteidiger und die Stürmer auf der Bank getrennt voneinander sitzen, um kürzere Wege zu haben und Chaos zu vermeiden.
Lange Laufwege auf der Bank
Aber ist es nicht stressig, sowohl Stürmer als auch Verteidiger zu sein? „Mittlerweile ist es das nicht mehr“, meint Kolb. „Nach vier Jahren kenne ich das System von Jari Pasanen. In der Anfangszeit war es aber schon extrem. Ich musste mir die Laufwege von allen Spielern auf dem Eis einprägen. Mein Kopf hat gebrannt.“ Zwar ist es für einen Spieler generell wichtig, eine feste Reihe und Position zu haben, weil sich irgendwann ein „blindes Vertrauen“ zwischen den jeweiligen Sturm- beziehungsweise Verteidigungspartnern einspielen soll, aber Kolb betont: „Ich stelle mich immer in den Dienst der Mannschaft. Am Ende will ich Eishockey spielen und bin froh, wenn ich Eiszeit kriege. Dann mache ich das gerne.“
Besonders gerne macht er es in Rosenheim. Die Stadt ist für ihn zur Heimat geworden, hier hat er auch seine Freundin kennengelernt. Seine Mutter ist im Aufstiegsjahr gestorben. Sein Vater wohnt mittlerweile ebenfalls in Rosenheim. „Mein Lebensmittelpunkt ist in Rosenheim und das wird er auch nach der Eishockey-Karriere bleiben“, stellt Kolb klar. Im Winter kommt die Familie manchmal zu kurz, weil er für das Eishockey viel unterwegs ist und seine Freundin einen Vollzeitjob hat. „Der Sommer ist für mich hauptsächlich Familienzeit“, freut sich Kolb daher umso mehr auf die gemeinsame Zeit mit seinen Liebsten. Seine Freundin hat ein Kind in die Beziehung gebracht. „Der Bube spielt Eishockey.“
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