Dennis Palka vom Herner EV: „Man kann nicht einfach den teuersten Kader kaufen und dann glauben, man holt das Ding“
Mit 36 Toren und 45 Assists inklusive Playoffs erlebte Dennis Palka 2013/14 bei den Hammer Eisbären seine punktbeste Saison. Foto: Benjamin Seis
Dennis Palka hat seinen Vertrag beim Herner EV bereits im Februar verlängert. Der 34-jährige Flügelstürmer blickt auf zahlreiche Stationen im deutschen Eishockey zurück. Im Gespräch mit Logbuch Sport erklärt er, welche Erfahrungen ihn besonders geprägt haben und warum er den HEV auf dem richtigen Weg sieht.
Man sagt, man sieht sich immer zweimal im Leben. Bei Flügelstürmer Dennis Palka passt die Redewendung gleich doppelt: Erst kehrte er 2025 zum Herner EV zurück, für den er bereits in der Saison 2019/20 spielte, nun trifft er erneut auf Lenny Soccio, der 2022 bereits für einige Monate Palkas Trainer bei den Hannover Indians war. Soccio machte über 500 DEL-Spiele und ist 72-facher deutscher Nationalspieler. Palka meint: „Es tut dir als Eishockeyspieler gut, wenn dir jemand seine Meinung sagt, der selbst hochklassig Eishockey gespielt hat. Lenny ist total eishockeybesessen. Er achtet auf viele Details, macht gute Trainings und Analysen. Er ist ein erfahrener Trainer und ein guter Charakter.“
Jung und naiv?
Viele Erfahrungen – Achtung schlechte Überleitung – sammelte auch Dennis Palka bereits. Der 34-Jährige stammt aus der Jugend des TuS Wiehl, spielte in der Nachwuchsbereich allerdings für die Kölner Haie. 2012 erreichte er als 19-Jähriger mit den Füchsen Duisburg das Oberliga-Finale. „Eine Finalniederlage ist nie leicht zu verdauen, aber damals war es vielleicht einfacher“, gibt Palka zu. „Ich hatte dort schon gespielt, aber auch nicht wahnsinnig viel. Man dachte einfach, dass man im nächsten Jahr wieder angreifen kann. Dann merkt man erst, wenn man älter wird, wie schwer es ist, ins Finale zu kommen und dass man vielleicht noch einmal ein, zwei Prozente mehr rausholen muss, weil sich so etwas so gut wie nie wiederholt.“
Doch Palka ging seinen Weg. Nach einer starken Saison bei den Hammer Eisbären mit 78 Punkten in 48 Spielen wechselte er 2014 zu den Lausitzer Füchsen in die DEL2 – ein Verein, zu dem er 2016 nach seinem Wechsel zu den Bietigheim Steelers noch einmal zurückkehrte und an den er offenbar besonders gute Erinnerungen hat: „Rückblickend betrachtet hätte ich vielleicht in Weißwasser bleiben sollen, weil ich dort viel gespielt hatte, Rückendeckung vom Trainer hatte, der mich gemocht und viel eingesetzt hat.“
Streben nach Größerem
Im Lausitzer Sandwich spielte der gebürtige Gummersbacher eine Saison für die Bietigheim Steelers, die damals amtierender DEL2-Meister waren. „Das hat mich schon gereizt, da anzukommen und dann vielleicht irgendwann nochmal einen Schritt nach oben zu machen. Man ist den Weg der Karriere gegangen und hat immer mehr sportlichen Erfolg gewollt“, so Palka. Er habe sich unter Trainer Kevin Gaudet zwar wohlgefühlt, sei dann aber der Ü24-Regel zum Verhängnis gefallen. Immerhin eine Vizemeisterschaft sprang mit den Steelers heraus, wenngleich man die Finalserie verletzungsgeplagt gegen Kassel mit 0:4 verlor.
Und dennoch nimmt Palka aus diesem Jahr in Bietigheim viel mit. Er betont: „Man kann nicht einfach den teuersten Kader kaufen und dann glauben, man holt das Ding. Siehe Hannover Scorpions.“ Wichtig sei eine funktionierende Mannschaft, ein funktionierendes Umfeld, Spieler, die ihre Rollen akzeptieren, sich in den Playoffs in Schüsse werfen. Sein Fazit: „Alle müssen an einem Strang ziehen. Das Klima muss in der Mannschaft gut sein, man muss im Training arbeiten das ganze Jahr und die Stimmung hochhalten. Das ist mir immer wichtig gewesen.“ In Bietigheim sei das „immer top“ gewesen. „Die Familien wurden mitgenommen, da hat alles gepasst.“
Führung übernehmen, Erfahrungen weitergeben
Nach jeweils einer Saison bei den Heilbronner Falken und den Dresdner Eislöwen endete dann allerdings Palkas Zeit in der DEL2. Er erklärt: „Für mich war klar nach dem fünften Jahr DEL2, dass ich nicht in der dritten oder vierten Reihe spielen möchte. Ich wollte schon Führung übernehmen. Immer wenn ich das getan hatte in der DEL2, dann hatte ich auch gute Saisons. Aber wie das nunmal ist: Die DEL2 hat sich stetig verbessert, dann passt mal der Trainer nicht. Es hat nicht mehr gereicht. Woran es gelegen hat, ist dann ja auch egal.“
Palka ist zufrieden damit, wie es war: „Ich konnte viele Erfahrungen sammeln in vielen Städten. Ich kenne viele gute und schlechte Sachen, die im Eishockey passieren. Deswegen kann ich aus meiner Erfahrung sprechen, wenn mich jemand nach einem Rat fragt.“ Welche Sachen er meint? „Wie eine Mannschaft arbeitet. Wie man mit Spielern umgeht. Da machen einige einen guten Job und einge sehen dich nur als ‚Ware‘.“
Seine Erfahrungen gibt Dennis Palka auch an seinen sieben Jahre jüngeren Bruder Robin Palka weiter, der von seinem großen Bruder inspiriert mit dem Eishockey anfing und mittlerweile bei den Saale Bulls spielt. Drei Jahre spielten die Brüder gemeinsam bei den Hannover Indians. „Er kann natürlich aus meinen Fehlern und meinen falschen Entscheidungen lernen. Er macht am Ende sein Ding, aber ich kann ihm zur Seite stehen mit meiner Erfahrung und meinen Eindruck davon teilen, was gut läuft und was schlecht. Er nimmt das auch an.“ Er sei „stolz, dass er auch Eishockey spielt und es soweit geschafft hat. Ich bin aber immer noch am Pushen, dass er es noch ein bisschen weiter nach oben schafft (lacht)“.
Neue Impulse
Weiter nach oben wollen sie auch in Herne. Nach einer turbulenten Saison, in der sich der Verein sowohl vom Sportlichen Leiter Björn Muthmann als auch von Trainer Dirk Schmitz trennte, ist Dennis Palka davon überzeugt, dass der Klub nun auf dem richtigen Weg ist. Er habe viele Gespräche mit Dominik Kastner, dem Geschäftsleiter Finanzen & Controlling sowie mit Marc Gollan, dem Geschäftsleiter Marketing & Vertrieb, geführt.
Aus seiner Sicht hat in der vergangenen Saison „vieles, noch nicht gepasst“. Palka meint: „Ich bin froh, dass wir den Kader ein bisschen aufgeräumt haben und in der Führung und auf der Trainerposition etwas verändert haben, um neue Impulse zu bekommen. Jetzt denke ich, dass wir gut aufgestellt sind.“ Besonders die Transfers von Erek Virch und Christian Kretschmann begrüßt Palka: „Wir brauchten ein paar erfahrene Spieler. Nur mit jungen Spielern kannst du nicht viel gewinnen. Da sind diese beiden Jungs wichtige Bausteine. Sie werden eine Führungsrolle bekommen und müssen die auch ausfüllen.“
Keine großen Träume
Auch Palka ist sich darüber im Klaren, dass nach zwei Saisons in Folge im Tabellenkeller vom Herner EV auch in der kommenden Saison keine Wunder zu erwarten sind. Die abgebrochene Saison 2019/20 könnte allerdings als Vorbild dienen. Zum Zeitpunkt des Abbruchs lag Herne auf Rang zwei. „Da hatten wir auch nicht den Überkader, aber die Mannschaft hat einfach funktioniert. Wir haben einfach zusammengearbeitet. Dasselbe werden wir jetzt auch machen. Wir werden eine gute Vorbereitung machen und als Mannschaft zusammenfinden“, ist sich der Routinier sicher. Von der Meisterschaft könne man deshalb natürlich nicht träumen, aber das Ziel müsse sein, nicht auf den letzten drei Plätzen zu landen.
Anmerkung: Einen Text über Christian Obu und seinen Wechsel zum Herner EV findet ihr hier.
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