DEL2: Rosenheimer Renaissance, eine Steelers-Serie und wacklige Wölfe
Gewohnt spannend geht es in dieser Saison in der DEL2 zu. Foto: Tony Schnagl/pexels
Weshalb die Erfolgsgeschichte der Starbulls Rosenheim in dieser Saison bisher weitergeht, warum die Eisbären Regensburg noch Fragen aufwerfen und warum die Ravensburg Towerstars doch noch eine erfolgreiche Saison spielen könnten. Die Zwischenbilanz der DEL2.
Starbulls Rosenheim (Platz 3, 74 Punkte): Der dreimalige deutsche Meister hat in seiner Historie viele Aufs und Abs erlebt. Doch seit Jari Pasanen das Team 2022 übernahm, geht es für die Starbulls konstant nach oben. Pasanen hat eine Mannschaft entwickelt, die sich nicht zu schade ist, auch mal defensiv zu spielen, wenn dies nötig ist. Die beste Defensive der Liga wird von Shane Hanna, dem DEL2 Spieler des Monats Dezember, angeführt. Hanna ist extrem wichtig für sein Team, treibt auch das Offensivspiel an und hat eine außergewöhnliche Ausdauer. Außerdem zeichnen sich die Oberbayern durch das zweitbeste Penaltykilling der Liga aus. Zentraler Baustein hierfür ist Goalie Christopher Kolarz, der mit einer Save percentage von 92,7 Pronzent einer der besten Torhüter der DEL2 ist.
Die Starbulls nur auf die starke Defensive zu reduzieren, wäre allerdings zu kurzgegriffen, dazu ist die Offensive um Kapitän C. J. Stretch, Topscorer Scott Feser und dem nach seinem fabelhaften Saisonstart deutlich abgekühlten Ville Järveläinen zu gut besetzt. Es gilt allerdings die zweifelsohne vorhandenen Fähigkeiten noch konstanter aufs Eis zu bringen. Gelingt den Starbulls dies, so ist mit ihnen in den Playoffs zweifelsohne zu rechnen.
Bietigheim Steelers (Platz 4, 59 Punkte): Trotz Wiederaufstieg in die DEL schrieben die Steelers in dieser Saison zunächst kaum Positiovschlagzeilen. Zunächst einmal hallt der Fall Alexander Dück nach. Der Steelers-Coach soll zwei Physiotherapeutinnen sexuell belästigt haben. Das Verfahren dauert nach wie vor an.
Sportlich tat sich der Aufsteiger zu Saisonstart sehr schwer, lag nach 15 Spieltagen auf dem vorletzten Tabellenplatz. Doch mit der Zeit gelang der Turnaround – auch dank der starken Kontingentspieler um den nachverpflichteten Cole Fonstad, der mit seinen technischen Fähigkeiten direkt frischen Schwung in die Steelers-Offensive brachte. Kaum aufzuhalten ist derweil Jonathan „Jack“ Dugan, der mit 18 Toren und 28 Vorlagen der drittbeste Scorer der gesamten Liga ist. Einen ganz besonderen Meilenstein erreichte Tyler McNeely: Der 38-Jährige Kanadier krönte sich im Dezember zum alleinigen DEL-Rekordscorer.
Und auch das System von Alexander Dück greift immer besser, Bietigheim hat sich nach dem verdienten Sieg in Landshut auf den vierten Tabellenplatz geschoben.
Eisbären Regensburg (Platz 5, 58 Punkte): Einige Parallelen zwischen Regensburg und Rosenheim sind nicht von der Hand zu weisen. Auch in Regensburg spielt eine der besten Defensiven der Liga, genauergesagt die viertbeste mit 95 Gegentoren. Bei den Eisbären ist die Abhängigkeit vom Torhüter allerdings größer als in Rosenheim. Jonas Neffins Fangquote von 92,56 Prozent ist bei unglaublichen 821 Schüssen aufs Tor (nur zwei Torhüter bekamen mehr auf den Kasten) hervorragend. Entsprechend überrascht es nicht, dass der 25-Jährige Medienberichten zufolge vor einem Wechsel zu den Eisbären Berlin steht.
Doch zurück zu den niederbayrischen Eisbären, die durch die jüngste Serie von fünf Siegen in Folge den Abstand auf die Playdowns von fünf auf vierzehn Punkte vergrößerten. In der hinter den Top drei extrem engen DEL2 kann sich die Situation der Regensburger aber natürlich sehr schnell wieder ändern. Vor allem wenn die starke Torschusseffizienz der Eisbären (neun Schüsse pro Treffer, zweitbester Wert der Liga) nachlässt. Vor dem Hintergrund, dass keine Mannschaft weniger Torschüsse pro Spiel abgibt als der DEL2-Meister von 2024, ist dies durchaus denkbar.
Ravensburg Towerstars (Platz 6, 58 Punkte): Der amtierende Vizemeister der DEL2 spielte in den vergangenen Saisons oftmals über der eigenen Gewichtsklase und schnitt besser ab, als es mit den eigenen finanziellen Möglichkeiten erwartbar ist. In die aktuelle Spielzeit startete das Team von Trainer Bo Subr allerdings schwach, lag nach 16 Spielen nur auf Rang elf.
Das zentrale Problem der Mannschaft war offensichtlich: Zu viele Strafen. „Sinnlose Strafen“ wie der sportliche Leiter Marius Riedel im Podcast „StarCast“ bilanzierte. Zudem enttäuschten die Specialteams der Oberschwaben über weite Strecken der Saison auf ganzer Linie. Doch das Blatt hat sich in den vergangenen Wochen gewendet. DIe Towerstars spielen nun disziplinierter und erfolgreicher. Mit zwölf Siegen aus 15 Spielen verbesserte sich Ravensburg von Rang elf auf Rang fünf.
Auch wegen individuellen Leistungen. Angreifer Mark Rassell ist mit 27 Treffern der erfolgreichste Torschütze der Liga und hat ebenfalls die beste Plus/Minus-Statistik. Sogar die Neuzugänge, von denen viele in der Anfangsphase der Saison noch enttäuschten, finden immer besser zu ihrem Spiel. Thomas Reichel erzielte zwei seiner drei Saisontore in den vergangenen fünf Spielen, Anselm Gerg erzielte jüngst gegen den jüngst bei den Starbulls Rosenheim seinen Premierentreffer. Möglicherweise sorgen die Towerstars in dieser Saison ja sogar erneut noch für eine Überraschung.
EV Landshut (Platz 7, 57 Punkte): Die Euphorie nach der Verpflichtung von Ex-NHL-Spieler und Ex-Bundestrainer Uwe Krupp war groß in Landshut. Und sie wurde zunächst einmal nicht enttäuscht. Nach 17 Spieltagen lag der EVL auf dem zweiten Tabellenplatz. Doch die Stimmung an der Isar hat sich ein stückweit gedreht, zehn der vergangenen 14 Spiele wurden verloren, Landshut rutschte auf Rang sieben ab.
Der starken Offensive um Spieler wie Trevor Gooch und Tor Immo steht die viertschwächste Defensive der DEL2 gegenüber. Zwar zeichnet Landshut eine gute Effizienz aus, doch selbst das Überzahlspiel funktionierte zuletzt nicht mehr so gut. Noch ist es ruhig um Uwe Krupp. Doch das Beispiel Heiko Vogler zeigt, dass dies insbesondere in Landshut nicht dauerhaft der Fall sein muss.
Blue Devils Weiden (Platz 11, 44 Punkte): In der Oberpfalz schrillen die Alarmglocken. Zwölf Niederlagen aus den vergangenen 13 Spielen, die zweitschwächste Offensive der Liga, das schwächte Team bei Faceoffs: Die Zahlen sind verheerend. Immer offensichtlicher werden die Schwächen in der Personalplanung, insbesondere die Kontingentspieler enttäuschen auf ganzer Linie. So überrascht es nicht, dass auch Trainer Sebastian Buchwieser nun erstmals in die Kritik gerät.
Gleichwohl gibt es einige Hoffnungsschimmer wie die Rückkehr von Tyler Ward, dem Topscorer der vergangenen Saison und die Verpflichtung von Alex-Olivier Voyier von den Ravensburg Towerstars, der mit elf Toren und 15 Assists in 36 Spielen direkt einschlug.
EHC Freiburg (Platz 13, 41 Punkte): Es wäre beinahe untertrieben zu sagen, dass die Wölfe-Saison unruhig ist. Die Breisgauer waren ambitioniert in die Saison gestartet, konnten diese Ambitionen aber nicht untermauern. Als Sportdirektor Peter Salmik nach schwachem Saisonstart Trainer Martin Stlouka entlassen wollte, wurde Salmik vom Aufsichtsrat entlassen, nur um dann wenig später wieder eingestellt zu werden.
Trainer Stlouka musste dann doch gehen, sein Nachfolger Juraj Faith konnte nur kurzzeitig für bessere Ergebnisse sorgen, ehe Freiburg sieben Niederlagen aus neun Spielen hinnehmen musste. Der 4:1-Erfolg gegen die Eisbären Regensburg soll nun aber eine Siegesserie einleiten.
ESV Kaufbeuren (Platz 14, 27 Punkte): Das vor der Saison neu zusammengestellte Team enttäuschte in dieser Spielzeit beinahe durchgängig. Weil sowohl Todd Warriner, der Anfang November entlassen wurde, als auch Interimscoach Andrew Donaldson keine entscheidenden Impulse senden konnten, entschied sich der Verein Leif Carlsson zurückzuholen, der bereits zwischen Januar und April 2025 Trainer des ESV Kaufbeuren war. Mit seiner Erfahrung soll der 60-jährige Schwede nun erneut zum Retter werden. Sollten die verletzten John Rogl, Jonny Tychonick, Dartagnan Joly, Joe Cassetti, Henri Kanninen und Florian Reinwald in den Preplayoffs noch zurückkehren, dann ist der Klassenerhalt für die Allgäuer aber durchaus noch realistisch. Auch weil die Erfahrung zeigt, dass Kaufbeuren Abstiegskampf kann – das Problem ist nur, dass dies auch für einige andere Abstiegskandidaten gilt.
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