„Tritt in den Hintern", Meisterträume und ganz viel Liebe: DEL2-Toptorjäger Mark Rassell von den Ravensburg Towerstars im Interview

DEL2-Tortorjäger Mark Rassel von den Ravensburg Towerstars gegen die Düsseldorfer EG.

Drei Tore erzielte Mark Rassell (rechts) in dieser Saison gegen die Düsseldorfer EG um Goalie Niklas Lunemann (links). Quelle: Kim Enderle

Er trifft und trifft und trifft: Mark Rassell von den Ravensburg Towerstars ist aktuell der erfolgreichste Torjäger in der DEL2. Nach einem schwierigen Saisonstart, bei dem die Oberschwaben nach 16 Spielen sogar auf Rang elf lagen, rieben sich viele Experten die Augen. Doch die Mannschaft hat wieder in die Spur gefunden.

Wie sie das geschafft hat, erklärt Mark Rassell im exklusiven Interview mit „Logbuch Sport“. Rassell erinnert daran, warum die Freistellung von Angreifer Alex-Olivier Voyer, der nun bei den Blue Devils Weiden spielt, ein „kleiner Tritt in den Hintern“ war, analysiert die besondere Chemie mit Robbie Czarnik und Erik Karlsson und erzählt, warum träumen erlaubt ist.

Herr Rassell, 37 Tore, bester Torschütze in der DEL2, wie klingt das für Sie?

Mark Rassell: 37 Tore sind natürlich sehr aufregend, damit bin ich der beste Torschütze in den ersten beiden Ligen. Am Anfang des Jahres habe ich mir das Ziel gesetzt, die 30-Tore-Marke zu knacken. Ich bin glücklich, dieses Ziel erreicht zu haben. Besonders glücklich bin ich aber darüber, zu Zeitpunkten zu treffen, die unserem Team dabei helfen, zu gewinnen.

Sie sind bereits sehr stark in die Saison gestartet. Warum hat es offenbar kaum Zeit gebraucht, sich in der neuen Mannschaft zurechtzufinden?

Mark Rassell: Ich denke, direkt mit Robbie Czarnik und Erik Karlsson für die meiste Zeit der Saisonvorbereitung zu spielen, hat wirklich dabei geholfen, unsere Chemie aufzubauen. Sie haben bekanntlich schon vergangene Saison zusammengespielt und sind sehr gute Spieler. Deswegen war es für mich so einfach, da reinzuspringen und von ihnen zu lernen. Das hat mir geholfen, schon früh zu treffen und ich war ja dann in der Lage dazu, für einen Großteil der Saison meine gute Form beizubehalten.

Sie haben die gute Chemie in ihrer Reihe angesprochen. Robbie Czarnik ist ebenfalls einer der besten Torjäger der Liga. Erik Karlsson ist bekannt für sein Tempo und seine Fähigkeit, seine Mitspieler in Szene zu setzen. Das scheint sich auch sportlich sehr gut zu ergänzen.

Wie gesagt: Unsere Chemie ist einfach großartig. Wir sind drei sehr verschiedene Spieler, aber gleichzeitig haben wir alle einen sehr hohen Eishockey-IQ. Deswegen sind wir dazu in der Lage, den jeweils anderen so gut zu lesen. Wir wissen einfach, was der andere macht.  Erik hat eine unglaubliche Übersicht und ist ein sehr guter Passer. Für einen Typen wie mich, ist es dann einfach: Ich versuche einfach zum Tor zu ziehen und weiß, dass er mich finden wird. Robbie ist ein DEL2-MVP. Er ist so gut, dass er einfach alles macht. Es gibt Spiele, da machen wir den Witz, dass wir ihm einfach den Puck geben und aus dem Weg gehen sollten. Es ist einfach toll, in dieser Saison so eine Chemie zu haben.

Im Januar wurde bekannt gegeben, dass Sie ihren Vertrag bis ins Jahr 2027 verlängert haben. Was sind, neben dem starken Zusammenspiel in ihrer Reihe, die Gründe?

Mark Rassell: Ich liebe einfach diese Stadt und diese Gruppe. Es war so ein spaßiges Jahr. Wenn du Erfolg hast, ist es einfach, zu bleiben und damit weiterzumachen, was du machst. Ich weiß, dass die meisten Jungs nächste Saison hierher zurückkommen. Ich habe gute Freunde in der Mannschaft. Meine Verlobte und ich mögen die Stadt und den Verein wirklich. Deswegen war es für uns so einfach, hier zu bleiben, anstatt nach einem anderen Team zu suchen. Ich war in der Vergangenheit in so vielen verschiedenen Mannschaften. Mal war ich eine Liga weiter oben, dann eine Liga weiter unten, dann war ich erst in einem Land und dann in einem anderen. Es ist schön, jetzt ein bisschen Konstanz zu haben.

Im Pressestatement nach der Vertragsverlängerung beschrieb Sie Coach Bohuslav Subr als einen Spieler, der sehr hart arbeitet und mit seiner Persönlichkeit sehr gut in die Mannschaft passt. Wie würden Sie Ihre Persönlichkeit beschreiben und welche Rolle haben Sie in der Mannschaft?

Mark Rassell: Ich bin eine sehr extrovertierte Person, die in der Kabine sehr laut ist und Witze macht. Während der Spiele bin ich nicht zu schüchtern, um ein Anführer zu sein und zu sagen, was ich sehe und was das Team besser machen muss. Auch wenn es mein erstes Jahr mit dem Team ist, sehe ich mich als Anführer. Auf dem Eis will ich mit gutem Beispiel vorangehen. Ich habe viel Erfahrung im professionellen Eishockey in verschiedenen Ligen gesammelt. Ich versuche diese Erfahrungen zu nutzen, um den jüngeren Spielern Wissen zu vermitteln. Auf dem Eis  versuche ich konstant zu sein und das zu machen, was der Trainer will.  Mit dem Puck und ohne Puck.

Natürlich gehört es auch dazu, über die negativen Themen zu sprechen. Der Saisonstart war enttäuschend, nach 16 Spielen stand ihre Mannschaft auf Rang elf.  Wie schwierig war diese Phase für Sie und Ihr Team?

Mark Rassell: Der Start war hart, weil wir eine gute Saisonvorbereitung hatten und die meisten Testspiele gewonnen haben. Dann haben wir die Saison mit einer 8:1-Niederlage in Landshut begonnen und uns in der Tabelle ziemlich weit unten wiedergefunden. Aber es war auch nicht so, dass wir schlecht gespielt haben. Wir haben dumme Strafen zu dummen Zeitpunkten genommen und Wege gefunden, zu verlieren. Ich denke, dass wir in manchen Spielen nervös geworden sind. Deswegen standen wir zwischenzeitlich sogar auf dem zwölften Platz. Ja, das war eine schwierige Zeit für uns, weil wir besser gespielt haben, als es die Ergebnisse ausgesagt haben. Wir wussten, wie wir aus dem Tief herauskommen können, haben es aber zu selten gezeigt, um ein paar Siege aneinanderzureihen.

Außer weniger Strafen zu kassieren: Was habt ihr gemacht, um aus dem Tief herauszukommen?

Mark Rassell: Wir haben angefangen, mit etwas mehr Selbstvertrauen zu spielen. Wir haben es geschafft, Wege zu finden, um Spiele zu gewinnen, anstatt Wege zu finden, um Spiele zu verlieren. Wenn du einmal anfängst zu gewinnen, lässt der Druck etwas nach. Dann fängst du an, zwei, drei, vier Siege aneinanderzureihen. Um Weihnachten herum, als wir Odeen Tufto verpflichtet haben, gab es dann diese Warnung, dass kein Job sicher ist. Wir bringen Leute rein, die gewinnen. Das hat unserem Powerplay geholfen und die Jungs dazu gebracht, auf die richtige Art und Weise zu spielen. Wenn du einmal mit Selbstvertrauen spielst, dann ist es einfach. Wenn die Siege kommen, ist es einfach. Es ist eine Frage des Selbstvertrauens. Aber die Verpflichtung von Tufto ist auch sehr wichtig gewesen.  Es war eine Erinnerung daran, dass es professionelles Eishockey ist und dass kein Job sicher ist. Es war ein kleiner Tritt in den Hintern.

Die Towerstars gewinnen in letzter Zeit viele Spiele. Neun aus den letzten elf. 22 aus den letzten 29. Träumen Sie von der Meisterschaft?

Mark Rassell: Natürlich träume ich von der Meisterschaft! Es gibt keinen Grund zu spielen, wenn du nicht gewinnen willst. Wir wissen aber natürlich auch, dass unser Verein zu den kleineren in der Liga zählt. Es ist unser erstes Jahr mit den Voraussetzungen für den Lizenzantrag für die PENNY DEL. Das heißt aber nicht, dass wir zwingend ein paar Jahre warten und uns aufbauen müssen. Wenn wir die Möglichkeit haben hochzugehen, ist das unser Ziel. Wenn du die Lizenz bekommen kannst, willst du so schnell wie möglich hoch und versuchen, in der höchsten Liga zu spielen. Aber wir wissen, dass wir ein kleinerer Klub sind und nicht die gleichen Erwartungen wie Krefeld oder Kassel haben. Gleichzeitig ist es mit der Historie, die wir haben, immer das Ziel, zu versuchen, eine Meisterschaft zu gewinnen.

Das Interview führte Lukas Bergmann.

Über Mark Rassell

Mark Rassell, 29 Jahre alt, wurde in Calgary geboren. Der Kanadier spielte bis zu seinem Wechsel 2024 zum HC Innsbruck in Nordamerika. In Österreich schlug Rassell direkt ein, wurde zum zweitbesten Torjäger der ICE Hockey League und erarbeitete sich einen Wechsel in die DEL zu den Nürnberg Ice Tigers. Nach nur neun Spielen für die Franken wechselte Rassell vor der Saison 2025/26 zu den Ravensburg Towerstars.

 

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