Erster Adler-Neuzugang aus Russland – viele Transfers bei den Augsburger Panthern: DEL-Südklubs im Check

Simon Wolf Schwenningen München
Goalie Simon Wolf wechselt vom EHC Red Bull München zu den Schwenninger Wild Wings. Foto: Red Bull München / City-Press GmbH
Nach der verlorenen Finalserie gegen die Eisbären Berlin haben die Adler Mannheim ihren ersten Neuzugang bekannt gegeben. Auch bei den Schwenninger Wild Wings wurde mit der Verpflichtung von Eric Cornel nachgelegt. Besonders aktiv waren zudem die Augsburger Panther, die ihren Kader deutlich umbauen.

Der EHC Red Bull München setzt dagegen weiterhin auf Kontinuität, während der ERC Ingolstadt sich auf einen prominenten Neuzugang im Tor freuen darf. Die Straubing Tigers sehen sich auf einem langen Weg Richtung „Championship-Team“ – und in Nürnberg stellt sich erneut die Frage, wohin die Entwicklung der  Ice Tigers führt.

Adler Mannheim

Nur wenige Tage nach der Niederlage in der DEL-Finalserie gegen die Eisbären Berlin haben die Adler Mannheim Brooks Macek als ersten Neuzugang bekanntgegeben. Der 33-Jährige Kanadier kommt aus Yekaterinburg in die Quadratestadt, ist in Deutschland aber vor allem aus seiner Zeit bei den Iserlohn Roosters (2013 bis 2016) und dem EHC Red Bull München (2016 bis 2018) bekannt. „Wir freuen uns sehr, Brooks und seine Familie bei uns begrüßen zu dürfen. Er hat seine Scorerqualitäten mehrfach unter Beweis gestellt. Dazu bringt er eine Menge internationale Erfahrung mit“, teilte Adler-Cheftrainer und Sportmanager Dallas Eakins in der Pressemitteilung des achtmaligen deutschen Meisters mit.

Nachdem bereits länger feststand, dass Tom Kühnhackl, Maxi Heim, Hayden Shaw, Matthias Plachta, Dan Renouf und Luke Esposito den Adlern erhalten bleiben, haben in den vergangenen Monaten auch Nick Mattinen, Yannick Proske, John Gilmour, Zach Solow, Kris Bennett und den erst 16-jährigen Max Calce ihre Verträge verlängert. Update vom Mittwoch: Nun hat der Verein die Abgänge von Johan Mattsson, William Worge Kreü, Brendan O’Donnell, Kevin Bicker, Alex Ruuttu, Leon Willerscheid und Kimi Saffran bekanntgegeben.

Trainer Dallas Eakins hat in Mannheim eine Kultur geschaffen, die von Spielern wie Colin Schlenker ausdrücklich gelobt wird. Nach einer weitestgehend erfolgreichen Saison bleibt ein wichtiger Teil des Kaders zusammen, punktuell wird ergänzt – ein großer Umbruch in Mannheim bleibt aus.

EHC Red Bull München

Apropos Kontinuität – beim EHC Red Bull München stehen nach aktuellem Stand 21 Spieler im Kader der Saison 2026/27, die bereits in der abgelaufenen Spielzeit für die Bayern aufliefen. Dazu zählen die Torhüter Antoine Bibeau, Matthias Bittner und Mathias Niederberger, die Verteidiger Maximilian Daubner, Rio Kaiser, Ryan Murphy, Ville Pokka, Phillip Sinn und Fabio Wagner sowie die Stürmer Chris DeSousa, Yasin Ehliz, Markus Eisenschmid, Brady Ferguson, Gabriel Fontaine, Patrick Hager, Taro Hirose, Maximilian Kastner, Philipp Krening, Jeremy McKenna, Veit Oswald und Tobias Rieder.

Den Verein verlassen Konrad Abeltshauser (Löwen Frankfurt) und Simon Wolf (Schwenninger Wild Wings). Die neuen Stationen von Dillon Heatherington, Nikolaus Heigl und Vadim Schreiner sind noch nicht bekannt. Bereits am 25. April verkündete der DEL-Halbfinalist die Verpflichtungen von Elis Hede und Lucas Thaler. Hede, der von den Straubing Tigers nach München wechselt, soll mit seiner Geschwindigkeit und Abschlussqualität eine Sofortverstärkung sein. Thaler, der vom Schwesterklub EC Red Bull Salzburg kommt, ist vielseitig einsetzbar und soll beim viermaligen deutschen Meister den nächsten Entwicklungsschritt machen.

München stellte in der vergangenen Hauptrunde die zweitbeste Defensive der Liga und kassierte nur 126 Gegentore. Untermauert wird diese defensive Stabilität vom Fakt, dass nur 1277 Schüsse aufs Tor zugelassen wurden, das sind beeindruckende 74 Schüsse weniger als bei den Straubing Tigers auf dem zweiten Platz. In den Playoffs konnte das Team diese Stabilität jedoch nicht bestätigen. Gelingt es, diese defensive Stärke wieder zu erlangen und offensiv ein wenig zuzulegen, ist mit den Münchnern in der kommenden Saison erneut zu rechnen.

Straubing Tigers

Mit 101 Punkten stellten die Straubing Tigers in der vergangenen Saison einen Vereinsrekord auf. Mitverantwortlich dafür ist Trainer Craig Woodcroft, der im Februar 2025 Nachfolger des langjährigen Erfolgstrainers Tom Pokel wurde. Der 56-jährige Kanadier, dessen Mannschaft laut offiziellen DEL-Daten in der abgelaufenen Hauptrunde ligaweit den meisten Puckbesitz hatte, wird vom Verein für die zurückgewonnene Struktur verantwortlich gemacht und wird auch in der kommenden Saison an der Bande des Hauptrundendritten stehen.

Mike Connolly hat hingegen seine Karriere beendet. Auch die Abgänge von Josh Melnick, Zac Leslie, Elis Hede (EHC Red Bull München), Tim Fleischer, Wade Allison, Justin Scott (Iserlohn Roosters) und Tobias Schwarz (EV Landshut) sind bestätigt. Am Mittwoch gab der Verein zudem bekannt, dass Verteidiger Ryan Merkley den Verein verlassen wird. Update: Der US-amerikanische Verteidiger Joseph Duszak wurde verpflichtet. 

Mit Marcel Brandt hat die Identifikationsfigur des Vereins ihren Vertrag verlängert. Topscorer Nick Halloran und Center Tyler Madden bleiben dem Verein ebenfalls erhalten. Zuvor hatte bereits das Torhütertrio Herik Haukeland, Florian Bugl und Sebastian Wieber neue Arbeitspapiere unterzeichnet. Ende April gaben die Niederbayern die Verpflichtungen von Verteidiger Moritz Kukuk (Düsseldorfer EG) und Stürmer Taro Jentzsch (Iserlohn Roosters) bekannt.

Straubing hat sich durch kontinuierliche und kluge Arbeit zu einer Spitzenmannschaft entwickelt, muss gegen die finanzkräftigere Konkurrenz aber weiterhin mit einem Extra an Cleverness agieren. Nur wenn der Verein auf dem Transfermarkt viele richtige Entscheidungen trifft, kann er seinen Status behaupten. Nicht nur Woodcroft weiß: „Der Weg zu einem Championship-Team ist lang.“

ERC Ingolstadt

Fans des ERC Ingolstadt, die die DEL-Finalserie zwischen den Eisbären Berlin und den Adler Mannheim verfolgt haben, werden sich die Hände gerieben haben. Eisbären-Goalie Jonas Stettmer, der in der kommenden Saison für den ERC Ingolstadt spielen wird, zeigte überragende Leistungen.

Die frühzeitige Verpflichtung des 24-Jährigen ist kein Zufall: Das Torhütertrio gehörte statistisch nicht zur Ligaspitze, was sich insbesondere in den Playoffs bemerkbar machte. Devin Williams machte vor allem in der Hauptrunde noch den besten Eindruck und wird auch in der kommenden Saison in Ingolstadt spielen. Nico Pertuch und Brett Brochu werden den Verein hingegen verlassen.

Auch im restlichen Kader kommt es zu Veränderungen: In der Defensive verlassen mit Peter Spornberger und Chris Jandric zwei Spieler den Verein, während im Sturm der Umbruch noch deutlicher ausfällt. Philipp Krauß, Matthew Boucher, Johannes Krauß, Samir Kharboutli und Luca Hauf verlassen den Verein. Gleichzeitig gelingt es dem ERC Ingolstadt, zentrale Leistungsträger zu halten: DEL-Stürmer des Jahres Riley Barber bleibt ebenso wie Abbott Girduckis, der sich nach schwierigem Start als feste Größe etabliert hat. Darüber hinaus setzt der ERC weiterhin auf erfahrene Kräfte wie Daniel Pietta, während auch Leon Hüttl, Sam Ruopp und Daniel Schmölz Teil des Gerüsts bleiben. Kontinuität herrscht zudem in der Spitze des Teams: Kapitän Morgan Ellis hat ebenso verlängert wie die Offensivspieler Riley Sheen, Myles Powell, Kenny Agostino und Jakin Smallwood.

Edwin Tropmann, der nach dem Horror-Foul von Fabio Wagner stärker zurückkommen wird, wie er auf Instagram verkündet, wird dem ERC Ingolstadt ebenfalls erhalten bleiben. Alex Breton und Austin Keating haben ihre Verträge bereits im Dezember 2024 bis 2027 verlängert und werden vom ERC ebenfalls im Kader der kommenden Saison aufgelistet. Im Februar 2025 verlängerte Philipp Preto ebenfalls bis 2027. Nicolas Schindler, der beim Kooperationspartner Ravensburg zum Einsatz kam, soll nun bei den Schanzern den nächsten Schritt machen.

Mit Rang fünf und dem Viertelfinal-Aus gegen den EHC Red Bull München blieb die Saison des ERC Ingolstadt hinter der Vorsaison zurück. Dabei gehört die Offensive weiterhin zur Ligaspitze: 197 Tore wurden nur von den Kölner Haie überboten, bei den erwarteten Toren lag Ingolstadt laut DEL-Daten sogar auf Platz eins. In den Playoffs wurde jedoch die Defensive zum entscheidenden Faktor. 31 Gegentore in sechs Spielen waren letztlich zu viel – selbst für eine der produktivsten Offensiven der Liga. Unter Trainer Mark French strahlt der Verein allerdings dennoch Stabilität aus – und ist immer für eine Überraschung gut.

Schwenninger Wild Wings

Zum zweiten Mal in Serie belegten die Schwenninger Wild Wings in der vergangenen Saison Rang neun und erreichten damit die Preplayoffs. Nach dem knappen Sieg gegen die Grizzlys Wolfsburg war im Viertelfinale gegen die Kölner Haie  in vier Spielen Schluss. Dennoch kann der Verein unter Coach Steve Walker auf eine positive Entwicklung zurückblicken.

Zunächst überwog bei den Fans allerdings die Wehmut, denn mit Thomas Larkin und Ben Marshall beendeten zwei Spieler nach drei Jahren bei den Wild Wings ihre Karriere. Die Abgänge der Torhüter Michael Bitzer, Bruno Cicek und Christopher Gibson sowie von Stürmer Tim Gettinger sind für die meisten Fans vermutlich einfacher zu verkraften.

Dem gegenüber steht bereits ein erster Neuzugang im Tor: Simon Wolf soll die entstandene Lücke schließen. Stamm-Goalie Joacim Eriksson hat noch bis 2027 Vertrag. Zuvor hatten die Wild Wings mit dem kanadischen Verteidiger Alex Peters bereits ihre Defensive verstärkt. Der 29-Jährige, zuletzt bei Lukko in Finnland aktiv, soll sowohl mit Physis als auch mit seinem Aufbauspiel helfen. Mit Austin Ortega von den Dresdner Eislöwen kommt zudem ein torgefährlicher Angreifer hinzu. Am Mittwoch verkündete der Verein nun die Verpflichtung von Eric Cornel von den Iserlohn Roosters.

Die Schwenninger Wild Wings haben es in den vergangenen Saisons geschafft, den Abstand zum Abstiegsplatz zu vergrößern und die Abhängigkeit von der eigenen Heimstärke deutlich zu verringern. Zudem wurde die Verträge mit Will Weber, Boaz Bassen, Kyle Platzer (mit neun Toren und 28 Assists teamintern der punktbeste Spieler der Hauptrunde), Alexander Karachun, Mirko Höfflin, Arkadiusz Dziambor, Hakon Hänelt und Niklas Hübner verlängert. Weil man es in der Vergangenheit schaffte, auf dem Transfermarkt Potenziale zu entdecken, die andere nicht sahen, gilt  ein sportlicher Einbruch als eher unwahrscheinlich.

Nürnberg Ice Tigers

Vier Punkte und einen Platz hinter den Schwenninger Wild Wings kamen die Nürnberg Ice Tigers in der vergangenen Saison ins Ziel und schieden anschließend in den Pre-Playoffs gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven aus. Insgesamt beendete der Klub seit der Saison 2018/19 – mit Ausnahme der Corona-Spielzeit – jede Saison auf den Rängen acht bis zehn.

Ob man dies als Stagnation oder Konstanz bewertet, bleibt Auslegungssache. Fakt ist jedoch, dass es in der kommenden Saison einige personelle Veränderungen gibt. Mit Nikolaus Heigl verpflichteten die Ice Tigers einen Mittelstürmer, der in Franken auf seinen Zwillingsbruder trifft. Zudem kam mit Noah Samanski ein weiterer deutscher Center von den Blue Devils Weiden.

Gleichzeitig verliert Nürnberg jedoch auch wichtige Offensivproduktion: Roman Kechter wechselt nach Bremerhaven, während Charlie Gerard und Will Graber (zusammen 58 Scorerpunkte) ebenso ersetzt werden müssen wie Cole Maier (Iserlohn Roosters), Eugen Alanov, Justus Böttner, Sinan Akdag und Evan Fitzpatrick.

In der Defensive bleibt mit Owen Headrick der punktbeste Verteidiger erhalten. Auch Jakob Weber, Julius Karrer und Constantin Braun stehen weiterhin im Kader. Im Angriff setzen die Ice Tigers zudem auf Kontinuität: Josef Eham verlängerte bereits im Dezember 2025 um zwei Jahre und soll vor allem über seine Führungsqualitäten vorangehen. Greg Meireles und Tyler Spezia gehen in ihre zweite Saison in Nürnberg. Auch Samuel Dove-McFalls bleibt. Die Verträge von Niklas Treutle und Evan Barratt laufen noch bis 2027. Sogar bis 2029 läuft der Vertrag von Marcus Weber. Auch Timo Bakos wird auf der Webseite der Ice Tigers weiterhin im aktualisierten Kader geführt.

Sportlich bleibt vor allem das Unterzahlspiel eine Baustelle – eine der zentralen Schwächen der Mannschaft von Trainer Mitch O’Keefe. Angesichts der finanziellen Rahmenbedingungen sind große Sprünge zwar schwer zu realisieren, doch Sportdirektor Stefan Ustorf beweist regelmäßig ein gutes Gespür auf dem Transfermarkt.

Augsburger Panther

Es ist das Ende einer Ära bei den Augsburger Panther: T.J. Trevelyan beendete nach 15 Spielzeiten in der Fuggerstadt seine Karriere. Darüber hinaus verlassen der Torhüter Michael Garteig, die Verteidiger Max Renner, Thomas Schemitsch, Leon van der Linde, Moritz Wirth und David Farrance sowie die Stürmer Cody Kunyk, Anthony Louis, Riley Damiani, Jason Bast, Alexandre Grenier und Joe Cramarossa den Verein.

Der Tabellenelfte, der erstmals seit Jahren nicht viel mit dem Abstieg zu tun hatte, hat aber auch bereits einige Neuzugänge bekanntgegeben. Alec McCrea und Trevor Parkes kommen von den Dresdner Eislöwen. Mit Goalie Tobias Ancicka geht der Verein durchaus ein Risiko ein, denn der 25-Jährige kassierte bei den Kölner Haien in der abgelaufenen Saison mehr als neun Tore mehr als er es anhand der Expected Goals hätte tun sollen. Noel Hoefenmayer (HK Sochi) gilt als kompletter Verteidiger und soll direkt eine wichtige Rolle spielen. Die Angreifer Cameron Wright (HPK),  Philipp Krauß (ERC Ingolstadt) und Jimmy Lambert (Grizzlys Wolfsburg) sollen die fünftschwächste Defensive der abgelaufenen Saison beleben.

Bereits im Laufe der Saison wurden die Verträge von Alexander Blank, D. J. Busdeker,Tim Wohlgemuth, Enrico Henriquez, Kyle Mayhew, Ryan Button, Sebastian Zwickl, Fabrizio Pilu, Moritz Elias, Christian Hanke und Peyton Jones verlängert. Außerdem wird Eigengewächs Liron Pellizzari laut aktueller Kaderliste weiterhin in der Fuggerstadt skaten. Cheftrainer Bill Peters hat eines der großen DEL-Sorgenkinder der vergangenen Jahre stabilisiert und wird in seine zweite Saison hinter der Bande gehen. Es wird eine richtungsweisende Saison in der Fuggerstadt.

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