Thore Weyrauch und der Deggendorfer SC: Aus dem Windschatten an die Spitze?
Thore Weyrauchs bisher punktbeste Saison in Deutschland war die Saison 2024/25, als er für die Heilbronner Falken 60 Scorerpunkte in der Hauptrunde sammelte. Foto: Roland Rappel
Viele wollten ihn, doch am Ende hat sich der Deggendorfer SC die Dienste von Thore Weyrauch gesichert. Der 27-jährige Center spricht über seine ungewöhnlichen Anfänge, turbulente Monate in Heilbronn und die Hintergründe seines Wechsels zum Deggendorfer SC. Außerdem verrät er, was dem DSC in die Karten spielen könnte.
Anmerkung: Dieser Text sollte eigentlich vor der Saison erscheinen, weil ich aber kurzfristig nicht mehr an ein Bild gekommen bin, erscheint er erst jetzt. Infolgedessen wurden zwei Absätze entfernt, in denen es um die ersten beiden Gegner des Deggendorfer SC ging.
Thore Weyrauchs Weg zum Eishockeyprofi begann etwas ungewöhnlich auf einer zugefrorenen Ackerpfütze bei Wismar, wo er das Schlittschuhlaufen lernte. Dass er es von dort aus zum Eishockeyprofi schaffte, hat er auch seinen Eltern zu verdanken, die ihn in jungen Jahren mehrmals in der Woche zum Training nach Timmendorf und Hamburg fuhren und ihn dabei unterstützten, auf das Krefelder Sportinternat zu kommen, wo er fünf Jahre verbrachte.
Vater Armin Weyrauch, ein zweifacher Ruderweltmeister, gab seinem Sohn zudem wertvolle Tipps, wie dieser betont: „Dieses, ich nenne es jetzt mal Sport-Know-how, da hat er mir natürlich schon viel geholfen, weil er weiß, was es braucht, um erfolgreich zu sein, beziehungsweise wie diszipliniert man sein muss und auf was man achten muss.”
Von Minsk bis Hannover, von Crimmitschau bis Heilbronn
Weyrauch wurde zu einem vielversprechenden Nachwuchsspieler, spielte mit der U18-Nationalmannschaft bei der B-WM in Minsk, musste aus der DNL – wie viele andere Spieler auch – allerdings den Umweg über die USA machen, von wo aus er nach einem starken Jahr bei den Superior Rough Riders zu den Hannover Indians wechselte. Nach drei Jahren in Niedersachsen, darunter ein ziemlich chaotisches Abschlussjahr, kam er zu den Eispiraten Crimmitschau, wo er weder Spielzeit noch eine Perspektive fand.
Nach zwei Jahren in Halle wechselte der 27-Jährige 2024 nach Heilbronn und erlebte dort mit, wie sich Gesellschafter zankten, Gelder nicht flossen und der Verein Insolvenz anmeldete. „Das fing ja im Sommer schon an, dass sie Probleme mit der Lizenz hatten. Aber als Spieler, gerade wenn man in dieser Situation nie war, macht man sich keinen Kopf. Vor allem nicht, wenn jemand sagt: Nee, alles gut, das haben wir hinbekommen”, gibt Weyrauch zu. Im Dezember nahm die Gerüchteküche dann so richtig Fahrt auf. Die Insolvenz der Heilbronner Falken wurde unumgänglich.
Für Weyrauch ergab sich allerdings die Möglichkeit, zum EHC Freiburg in die DEL2 zu wechseln, wo er die letzten sechs Saisonspiele und die Playdowns absolvierte. „Relativ positiv” sei seine Saison somit geendet, meint Weyrauch. Aus sportlicher Sicht war das für ihn natürlich auch die Möglichkeit, sich noch einmal ins Schaufenster zu stellen, was dann ja auch funktionierte. Allerdings zeigte er ja auch zuvor in Heilbronn bereits seine Qualitäten, die von 114 Punkten in 89 Spielen bestätigt werden.
Ein Trainereffekt und die Gründe für den Wechsel zum Deggendorfer SC
Der 27-jährige Center hatte einige Angebote, entschied sich aber für den Deggendorfer SC. Weyrauch erklärt: „Ich habe mir gesagt, dass ich irgendwo spielen will, wo alles gegeben wird, um zu gewinnen und wo man davon ausgehen kann, dass man größtenteils die Spiele gewinnen wird beziehungsweise wo zumindest der Anspruch da ist, Spiele zu gewinnen.” Kontakt zum sportlichen Leiter Ibrahim „Ibo“ Weißleder und zu Trainer Casey Fratkin hatte er schon für längere Zeit.
Besonders die Gespräche mit dem 37-jährigen Kanadier scheinen ihn überzeugt zu haben: „Casey ist ein Perfektionist. Man merkt, dass er ein Riesenwissen hat. Von den Trainern, die ich bisher hatte, ist er einer, der mit Abstand am meisten Ahnung hat. Das merkt man. Es geht ganz viel um Details.“ Natürlich könne man zum Beispiel einem 35-Jährigen keine andere Schuss- oder Lauftechnik mehr beibringen, aber insbesondere bei den Laufwegen sei viel zu machen.
ESV Kaufbeuren und Deggendorfer SC
Für Weyrauch geht der ESV Kaufbeuren unter dem neuen Trainer Sebastian Buchwieser als Favorit in die Saison: „Aber auch für sie wird es nicht leicht, weil das eine Mannschaft ist, die komplett neu ist. Das heißt, sie müssen sich auch erstmal alle finden und sie haben natürlich viele Spieler mit großen Namen. Das birgt immer auch so ein bisschen ein Risiko, weil du sie als Trainer natürlich irgendwie alle glücklich halten musst. Wenn dir das nicht gelingt, dann kann so eine Kabine ganz schnell kippen. Ich glaube aber trotzdem, dass Kaufbeuren da ganz oben dabei ist.“
In der Nordstaffel rechnet der 27-jährige erneut mit den Hannover Scorpions. Und was ist mit dem Deggendorfer SC? „Uns tut es, glaube ich, ganz gut, dass die Leute nicht so über uns reden und sagen: Deggendorf ist hier Top-Favorit. Sie sollen ruhig alle über Kaufbeuren reden und denken, dass sie der Top-Favorit sind. So als Underdog oder als vermeintlicher Zweiter oder Dritter in die Saison zu gehen, ich glaube, das liegt uns.“
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