Deggendorfer SC: Wird die Kadertiefe zum Trumpf?

Niklas Pill Deggendorfer SC

Niklas Pill attestiert dem Deggendorfer SC eine „durchweg positive Entwicklung“. Foto: Roland Rappel

Mit 6:0 gewann der Deggendorfer SC am vergangenen Sonntag bei den Lindau Islanders. Zum Erfolg trägt nicht nur die individuelle Klasse einzelner Spieler bei, sondern auch ein Kollektiv, in dem selbst die vierte Reihe auftreten soll, als wäre sie die erste Reihe.

25 Minuten waren gespielt im Oberliga-Spiel des Deggendorfer SC bei den Lindau Islanders, da wirkte die Defensive der Lindauer wie ein Zuschauer beim Tennis. Marco Baßler legte die Scheibe quer auf Curtis Leinweber, der wiederum zurück zu Baßler spielte, welcher den Puck nur noch ins Tor schieben musste. Das Ganze ging so schnell, dass man schon als Zuschauer am heimischen Endgerät beinahe die Orientierung verlor. 

4:0 stand es zu diesem Zeitpunkt und wirklich besser wurde es dann für die Lindau Islanders nicht mehr, denn am Ende stand ein 0:6 auf der Anzeigetafel. Für den DSC bedeutet dies ein Fünf-Punkte-Wochenende, nachdem man sich am Freitag gegen eine aufopferungsvoll kämpfende Falkendefensive um den starken Goalie Florian Mnich erst im Penaltyschießen durchsetzen konnte. 

Spannende Spielertypen und eine mutige Herangehensweise

Nun kann man den guten Saisonstart der Niederbayern natürlich an einzelnen Spielern wie Zac Kaiser oder Ty Jackson festmachen, doch im Eishockey gilt mehr noch als in anderen Mannschaftssportarten, dass das Kollektiv von entscheidender Bedeutung ist. Zu diesem Kollektiv gehört die vierte Reihe, die beim DSC zum Saisonstart aus Niklas Pill, Niclas Focks und Daniel Assavolyuk bestand und die damit im Oberliga-Vergleich ziemlich stark sein sollte. 

„Ich glaube, wir finden immer besser zusammen, lernen uns auch besser kennen. Es sind zwei Spieler, mit denen ich vorher noch nicht zusammengespielt habe“, so Pill über die Neuzugänge aus Krefeld (Focks) und Düsseldorf (Assavolyuk). „Die beiden sind körperlich robust und können auch körperlich robust spielen. Ich kann auch körperlich spielen, wenn es körperlich wird, aber ich bin nicht der, der von Anfang an das unbedingt macht.“ 

Gerade bei Assavolyuk ist diese Einschätzung interessant. Der Sportliche Leiter des Deggendorfer SC, Ibo Weißleder, hatte den Neuzugang aus Düsseldorf vor allem wegen seines hohen Tempos gelobt. Mit einer Körpergröße von je nach Quelle 1,79 oder 1,81 Metern entspricht er zudem nicht unbedingt dem klassischen Bild eines körperlich robusten Spielers. Beim Gewicht bringt der gebürtige Kasache laut „Elite Prospects“ allerdings tatsächlich ein paar Kilogramm mehr auf die Waage als Pill.

Trainer Casey Fratkin setzt derweil auf eine Herangehensweise, die sich von der vieler anderer Trainer unterscheidet, wenngleich sich die Aufgaben der vierten Reihe im modernen Eishockey verändert haben: „Wir haben keine Reihe, die die Scheibe nur nach vorne raushauen will. Bei uns will die vierte Reihe genauso wie die erste Reihe offensiv kreieren und offensiv spielen. Natürlich geht es bei Reihe drei und vier in jeder Mannschaft erstmal darum, die Null hinten zu halten, also kein Gegentor zu bekommen. Das ist erstmal das Wichtigste. Aber bei uns wollen Reihe vier bis eins eigentlich das Gleiche spielen“, erklärt Pill. 

Vom Angreifer zum Verteidiger

Der 25-Jährige spielt schon seit 2022 beim Deggendorfer SC und schätzt an seiner sportlichen Heimat unter anderem die ambitionierte Herangehensweise des Vereins. Vor der vergangenen Saison gab es einen größeren Umbruch, das Team wurde verjüngt, mit dem mittlerweile 37-jährigen Casey Fratkin wurde ein junger Trainer geholt. Als der DSC in der vergangenen Saison dann einige Verletzungen zu verkraften hatte, half Mittelstürmer Pill in der Verteidigung aus, was zwar durchaus eine Umstellung für ihn war, aber weitaus weniger ungewöhnlich ist, als wenn ein Flügelstürmer zum Verteidiger umgeschult wird. 

„Das war eine coole Erfahrung. Ich habe viel Eiszeit und Vertrauen vom Trainer geschenkt bekommen. Das hat mir persönlich sehr gut gefallen. Der Trainer und die Mannschaft waren zufrieden und haben mir gutes Feedback gegeben. Von dem her war es eine coole Erfahrung. Falls es nochmal so sein sollte, habe ich nichts dagegen, nochmal auszuhelfen in der Verteidigung“, stellt der gebürtige Landshuter klar. Gleichzeitig bleibt seine favorisierte Position die Centerposition.  

Zurück zu den Wurzeln

Schon in der Jugend beim EV Landshut wurde Pill von Anfang an als Stürmer eingesetzt. Beim EVL blieb er bis in den U20-Bereich, bevor er in der Saison 2021/22 bei den Passau Black Hawks, dem Lokalrivalen des Deggendorfer SC, in der Oberliga ankam  („Dass das zwischen den Fans immer ein bisschen brisant ist, ist klar. Aber für uns als Spieler ist das eigentlich nicht so groß.“).  

Doch zurück nach Landshut: „Ich werde, glaube ich, immer eine Verbindung zum Landshuter Eishockey haben, denn ich bin in Landshut geboren und habe in Landshut das Eishockey spielen gelernt. Ich war 16 Jahre dort“, betont Pill, der nur noch zu wenigen Spielern der ersten Mannschaft des EV Landshut Kontakt hat. Den Umstand, in der Nähe des Landshuter Eisstadions zu wohnen, nutzt er aber dazu, ab und zu beim Nachwuchstraining vorbeizuschauen: „Ich kenne die Nachwuchstrainer alle noch.“

Endlich verletzungsfrei

Sportlich wird für den 25-Jährigen besonders wichtig sein, fit zu bleiben. Zwischen 2022 und 2025, in seinen ersten drei Saisons beim Deggendorfer SC, hatte er stets mit Verletzungssorgen zu kämpfen, was ihn als Sportler natürlich nachdenklich werden lässt: „Da macht man sich dann schon auch Gedanken darüber, was man im Sommertraining verändern kann und was man generell tun kann, damit der Körper fitter bleibt. Wir sind aber dann zu dem Schluss gekommen, dass es nicht daran lag, dass ich unfit war oder dass Muskulatur gefehlt hat. Es waren einfach unglückliche Verletzungen mit Knochenbrüchen und so weiter, für die ich nichts konnte.“ Trotzdem habe er sein Sommertraining angepasst: „Die Stellen, die schon mal verletzt waren, habe ich ein bisschen mehr trainiert.“

Volle Konzentration auf die nächsten Aufgaben

Das intensive Training soll sich auch bei den Spielen beim EV Füssen (Freitag, 19.30 Uhr) und gegen den EC Peiting (Sonntag, 18.45 Uhr) auszahlen. Pill gibt sich erfrischend selbstbewusst: „In Füssen zu spielen, ist immer schwierig. Zu Hause gegen Peiting ist auch immer ein schwieriges Spiel. Aber wir wissen, was wir können und dass wir eine gute Mannschaft sind und diese beiden Teams auch schlagen können. So gehen wir in die Spiele rein. Wir wissen, dass wir in beiden Spielen von Anfang bis Ende hochkonzentriert sein müssen.  Aber wenn wir das tun, dann werden wir beide Spiele gewinnen.“  

Personalnews

Am Donnerstagabend veröffentlichte der DSC Personalnews. Die Pressemitteilung der Niederbayern im Wortlaut: 

„Von den Blue Devils Weiden wird Philipp Faulhaber mit einer Förderlizenz für den Deggendorfer SC ausgestattet. Der 22-Jährige wechselte im Sommer von den Passau Black Hawks in die Oberpfalz, wo er in der bisherigen Spielzeit bereits zweimal für den Zweitligisten auflief. Sofern alle Formalitäten bis dahin erledigt sind ist ein Einsatz bereits am morgigen Freitag in Füssen geplant.

Unser Eigengewächs Viktor Skorohodov erhält wiederum eine Förderlizenz für den EV Dingolfing und ist somit ab sofort auch für den Bayernligisten spielberechtigt. Der 19-Jährige kann somit wichtige Spielpraxis bei unserem Kooperationspartner sammeln. Im Gegenzug werden Joey Oberrauch und Louis Eisenhut mit einer Förderlizenz für den Deggendorfer SC ausgestattet und können bei Gelegenheit im Oberliga-Kader auflaufen.“

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