Fünf Mannschaften, vier Ligen: Colin Schlenkers „verrückte Saison"
Colin Schlenker fühlt sich bei den Adler Mannheim sehr wohl. Foto: Adler Mannheim / Daniel Bamberger
Mit Förderlizenzen ausgestattet stand Colin Schlenker von den Adler Mannheim in dieser Saison für die Stuttgart Rebels und den EHC Freiburg auf dem Eis. Neben Einsätzen in der DEL und mit der Adler-U20 in der DNL kam er auch zu zwei Einsätzen für die U20-Nationalmannschaft. Der 19-jährige Verteidiger erzählt über eine „verrückte Saison“.
Dienstagabend, Echte Helden Arena, Freiburg. Der EHC Freiburg trifft in den Pre-Playoffs der DEL2 auf den ESV Kaufbeuren. Den „Wölfen“, wie die Freiburger genannt werden, fehlt nur noch ein Sieg zum Erreichen des Klassenerhalts. Es läuft die fünfte Spielminute der Verlängerung als EHC-Angreifer Fabian Ilestedt einen Pass von ESV-Verteidiger Fabian Koziol in der neutralen Zone abfängt. Die Scheibe landet bei Lynden McCallum, der den Puck quer auf Ilestedt legt. Der Schwede verwandelt zum 2:1. Freiburg hält die Klasse, die Echte Helden Arena steht Kopf.
„Die Stimmung war überragend“, bestätigt Colin Schlenker, der den Treffer zum 1:1 in der 5. Minute des dritten Drittels mit einem Chippass eingeleitet hatte. „Auch für mich waren es viele Emotionen. In erster Linie war es Erleichterung“, gibt er zu.
EHC Freiburg: Chaos und Comeback
Dazu muss man wissen, dass der EHC Freiburg mit deutlich höheren Ambitionen in die Saison gestartet war und – man muss es so deutlich sagen – eine chaotische Saison erlebt hat. Schlenker, der die ersten fünf Saisonspiele für die Stuttgart Rebels in der Oberliga Süd spielte, fiel im Oktober 2025 mit angerissenem Innenband eineinhalb Monate aus. Währenddessen wurde Anfang November 2025 Sportdirektor Peter Salmik beurlaubt, wenige Tage später wurde auch Trainer Martin Stloukal – in einem Text von der „Badischen Zeitung“ ist von einem Eklat im Training die Rede – von seiner Aufgabe entbunden. Kurioserweise gab der Verein dann Mitte November bekannt, dass Sportdirektor Salmik doch noch weitermachen darf.
Schlenker gibt mit Blick auf die Vorkommnisse zu: „Mitbekommen tut man solche Dinge auf jeden Fall, auch wenn ich zum Beispiel, als es zu diesem Sportdirektoren-Thema kam, gerade in Mannheim war. Es war eine verrückte Saison in Freiburg, das stimmt schon. Wir haben trotzdem unser Ding gemacht und hatten eine ganz coole Truppe.“
Eine Wendung nahm die Geschichte der Saison dann aber am 27. November, als der Slowake Juraj Faith als Nachfolger von Interimstrainer Martin Sekera präsentiert wurde. Der mitunter etwas knorrig wirkende Slowake übernahm die „Wölfe“ auf dem letzten Tabellenplatz und führte sie mit nur zwei Punkten Rückstand beinahe noch in die Play-downs. „Er hat ein bisschen was umgestellt und neuen Wind in die Mannschaft gebracht“, so Schlenker, der nicht zu viel verraten will.
Adler Mannheim: Ein Traum wird Realität
Der 19-Jährige ist nun zurück in Mannheim und spielt mit der U20 der Adler gegen die Kölner Haie um das Finale der deutschen Meisterschaft. In dieser Saison hat er sogar bereits schon zu sechs Einsätzen für die DEL-Mannschaft gebracht. Sein Debüt feierte er bereits im September 2025 gegen die Straubing Tigers. „Überwältigend, wirklich atemberaubend“ sei es gewesen, meint der gebürtige Schwenninger, für den sich beim Wild Wings-Rivalen ein „Traum“ erfüllte.
Ohnehin kommt Schlenker ins Schwärmen, wenn er über die Adler redet: „Dallas Eakins (der Trainer der Adler Mannheim, Anm. der Red.) hat eine familiäre Kultur geschaffen, in der jeder Lust hat zu arbeiten. Wenn es mal nicht so gut läuft, kriegt man einen Schulterklopfer, wenn es gut läuft, wird man gelobt.“ Eakins bezeichnete Schlenker in einem lesenswerten Portrait auf der Seite der Adler Mannheim als „harten Arbeiter“. Dieser schmunzelt: „Ich würde auch sagen, dass das stimmt. Ich habe mich gefreut, dass er das gesagt hat.“
Der Weg zum kompletten Verteidiger
Sportlich betrachtet würde man Schlenker wohl am ehesten als sogenannten Two-Way-Verteidiger beziehungsweise Zwei-Wege-Verteidiger bezeichnen. Dazu muss man wissen, dass es viele verschiedene Arten von Eishockey-Verteidigern gibt. Der sogenannte „Stay-at-home“-Verteidiger zum Beispiel bleibt nicht etwa am Spieltag zu Hause im Bett, sondern konzentriert sich auf das Verteidigen. Der Offensiv-Verteidiger legt seinen Fokus darauf, den Angriff zu unterstützen. Wenig überraschend ist der Zwei-Wege-Verteidiger eine Mischung daraus. Er hat sowohl offensive, als auch defensive Qualitäten.
Seine Qualitäten noch weiter ausbauen und die Schwächen ausmerzen, darum geht es für Colin Schlenker jetzt. Dass er in dieser Saison in verschiedenen Spielsystemen mit verschiedenen Laufrouten spielte, war für ihn dahingehend eine wichtige Erfahrung: „Ich kann von überall etwas mitnehmen, habe sehr viel Erfahrung gesammelt. In Freiburg war viel Druck, in Mannheim musst du immer gewinnen. Es war sehr lehrreich. Du musst dich immer anpassen an verschiedene Trainer, Mitspieler und an das jeweilige Umfeld.“
Die Reise geht weiter
Es ist viel los, umso wichtiger ist es, „etwas für den Kopf als Abwechslung“ zu haben. Als so etwas bezeichnet Schlenker sein Online Marketing-Studium. Außerdem erstellt der Schwenninger Webseiten. Seine Lust aufs Eishockey ist aber noch lange nicht vergangen: „Eishockey ist die schnellste Mannschaftssportart der Welt. Aber für mich geht es um mehr als um den Sport selbst. 95 Prozent meiner Freunde sind Eishockey-Spieler. Man kommt herum in Deutschland. Es sind viele Sachen, die es ausmachen.“ Viel herumkommen könnte nicht nur ein Thema dieser Saison sein. Für welche Mannschaft Schlenker in der kommenden Saison aufläuft, ist noch nicht öffentlich.
Dir gefällt, was du hier liest?
Ich stecke viel Herzblut und Zeit in die Recherche und die Interviews für das Logbuch Sport. Wenn dir meine Texte einen Mehrwert bieten, freue ich mich über eine freiwillige Unterstützung via PayPal, um dieses Projekt weiterbetreiben zu können. Jeder Betrag hilft mir direkt dabei, die Kosten zu decken und weiterhin unabhängig zu berichten.