Christian Obu: Zwischen Meisterschaft und Neustart beim Herner EV

Christian Obu Herner EV

Drei Tore und 38 Vorlagen sammelte Christian Obu in 68 Spielen für den EC Peiting. Foto: Holger Wieland

Es war ein gleichfalls wichtiges wie kurioses Tor, das Christian Obu am 28. März 2023 erzielte. Per Bogenlampe überwand er Tilburg-Goalie Cedrick Andree. Wahrscheinlich war es sogar das bis dato wichtigste Tor in der Karriere von Christian Obu, schließlich bedeutete es den 1:1-Ausgleich im ersten Spiel des Viertelfinals und er erzielte den Treffer für seinen Heimatverein, für die Starbulls Rosenheim.

Vielleicht ist die Überhöhung so eines Treffers aber auch der natürlichen Verklärung einer Meistersaison geschuldet. Die Starbulls um Obu wurden nämlich Oberligameister und das sogar ziemlich souverän. Klar im Finale gegen die Selber Wölfe ging es zweimal in die Overtime aber auf das ganze große Drama namens Spiel fünf verzichteten die Oberbayern in der damaligen Saison komplett.

An seine einzige Meisterschaft im Erwachseneneishockey – mit Heilbronn war im Halbfinale Endstation – erinnert sich Obu gerne zurück: „Die Meisterschaft war schon etwas ganz besonderes vor allem mit Rosenheim, vor allem mit meinem Heimatverein. Das hat sich sehr gut angefühlt.“

Über Freunde fürs Leben und Vereine, die sich schnell ändern

Der 25-Jährige wechselte 2017 von den Starbulls in die Red Bull Hockey Academy nach Salzburg. Über seine drei Jahre in Österreich erzählt er: „Es ist Wahnsinn dort. Du kannst dort 24/7 trainieren. Die Trainingsmöglichkeiten sind unglaublich. Du bist immer mit den Jungs zusammen und wohnst in der Akademie dort. Dort findet man Freunde fürs Leben.“

Obu machte in den beiden darauffolgenden Spielzeiten 14 Spiele für die Löwen Frankfurt in der DEL2, spielte für die U23 der Krefeld Pinguine in der Oberliga Nord und absolvierte daraufhin 53 Spiele für die Heilbronner Falken. Um es in den Worten des 25-Jährigen auszudrücken: „Eishockey ist ein schnelllebiges Geschäft. Da ändern sich die Dinge manchmal schnell.“ So war es dann auch in Rosenheim, wo Obu nach der Meistersaison nur noch acht Spiele absolvierte, ehe er zu den Lindau Islanders ausgeliehen wurde. 

Sicinski-Connection bei den Lindau Islanders und dem EC Peiting

Ein Trainer, der immer auf Obu setzte, ist John Sicinski. Die beiden trafen sowohl in Lindau als auch in Peiting aufeinander. Die Islanders konnten sich mit dem Coach aber nicht auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit über die Saison 2023/24 hinaus einigen, so die öffentliche Formulierung. Unter dem neuen Islanders-Cheftrainer Michael Baindl bekam Obu daraufhin weniger Eiszeit. „Es hat trotzdem Spaß gemacht, aber in Peiting kannte ich einfach den Trainer und er kannte mich. Dort habe ich für mich einfach den besseren Weg gesehen.“ Nachdem der ECP Anfang Dezember vergangenen Jahres auf Rang elf rutschte, wurde Sicinski aber auch dort entlassen.

Schmerzhaftes Playoff-Aus

Mit Nachfolger Landon Gare reichte es bekanntlich immerhin noch für die Playoffs, wo gegen die Hannover Indians Schluss war. Bei Obu überwiegt der Frust: „Die Saison hätte erfolgreicher sein können. In den Playoffs können immer Teams überraschen. Klar erhofft man sich mehr. Dass die Saison nach nur drei Playoffspielen dann schon vorbei ist, tut weh.“

Immerhin konnte er persönlich auch positive Dinge mitnehmen: „Im Großen und Ganzen bin ich schon ganz zufrieden, auch wenn natürlich immer mehr geht. Die Torgefahr fehlt noch ein bisschen. Da kann ich mich auf jeden Fall noch verbessern.“ Entsprechend will der gebürtige Altöttinger an seinem Schuss arbeiten und mehr schießen.

Bessere Voraussetzungen

Warum er nun ausgerechnet zum letztplatzierten Team der vergangenen Oberligasaison wechselt?  „Erst einmal fand ich die Gespräche mit Lenny (Soccio, der neue Trainer der Miners; Anm. der Red.) positiv. Ich denke, dass er mir viel Vertrauen und Eiszeit geben wird, so dass ich mich weiterentwickeln und den nächsten Schritt machen kann.“

In Herne sind die Voraussetzungen andere als in Peiting, wo Obu einer von wenigen Profispielern war, was dazu führt, dass dort morgens im kleinen Kreis trainiert wird und Abends mit der gesamten Mannschaft. Der HEV-Neuzugang betont zwar, dass dies „auch ganz cool“ gewesen sei, allerdings sind die Bedingungen für Erfolg in Herne in der Theorie sicherlich besser, schließlich wird dort auch Morgens gemeinsam trainiert.

Neue Saison, neue Hoffnung

Mit Marc Hofmann und Christian Kretschmann trifft Obu in Herne auf zwei ehemalige Mitspieler: „Mit dem Hoffi habe ich ein längeres Gespräch geführt, bevor ich nach Herne gewechselt bin. Er hat nur positive Sachen erzählt. Mit dem Trainer war auch alles positiv. Ich freue mich auf die neue Saison.“ Er tut dies übrigens trotz des Umstands, dass Herne in der vergangenen Saison 211 Gegentore kassierte, der höchste Wert der Oberliga Nord mit dem durchaus beachtlichen Abstand von 25 Toren zum Herforder EV.

Allerdings wird der Kader der Miners auch kräftig umgekrempelt: Neben Obu wurden bereits die Verpflichtungen der Verteidiger Erek Virch (Duisburg), Tjark Kölsch (Bad Nauheim, war bereits als Förderlizenzspieler in Herne), des Goalieduos Adam Beukeboom (Timmersdorf) und Dieter Geidl (half zuletzt beim ESV Buchloe aus) sowie der Stürmer Bauer Neudecker (Füssen), Daniel Reichert (Hamm) und Christian Kretschmann (EHC Freiburg) verkündet. Trainer Lenny Soccio (Rostock) ist natürlich ebenfalls neu. Obu prognostiziert: „Wir sind komplett neu aufgestellt. Wenn ich mir den Kader anschaue, dann geht da auf jeden Fall etwas. Ich glaube, das wird eine vielversprechende Saison.“

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