Carson MacKinnon: Von der Märcheninsel zu den „Galliern“ des EC Peiting

Carson MacKinnon EC Peiting

Der Blick von Carson MacKinnon und Co. richtet sich einen knappen Monaten nach dem Aus in den Oberliga-Playoffs gegen die Hannover Indians bereits wieder nach vorne.  Foto: Holger Wieland

Flügelstürmer Carson MacKinnon vom EC Peiting wuchs auf der kanadischen Insel Prince Edward Island auf. Von Nordamerika aus führte sein Weg über Frankreich nach Oberbayern. Von Eishockey bis Essen: Der 26-Jährige nutzt die Sommerpause zur Reflektion.

Wenn Mitteleuropäer das Wort Summerside hören, denken sie in den meisten Fällen an das Summerside-Festival im Schweizer Gretchen. Carson MacKinnon vom Eishockey-Oberligisten EC Peiting verbindet dieses Wort allerdings nicht mit Rock, Metal oder Punk, sondern mit seiner Geburtsstadt Summerside auf der Insel Prince Edward Island, die 13 Kilometer östlich des kanadischen Festlands liegt und über die Confederation Bridge mit diesem verbunden ist.

Wer sich über diese Insel informiert, der landet schnell in einem sogenannten Rabbit Hole, kommt aus der Recherche also kaum noch heraus. So wurde beispielsweise auf Prince Edward Island mit der sogenannten Charlottetown-Konferenz 1864 das moderne Kanada in die Wege geleitet. Wer weniger historisch bewandert ist, genießt lieber die roten Sandsteinklippen oder die malerischen Stege mit bunten Fischerhütten auf dieser märchenhaft anmutenden Insel, die etwas mehr als doppelt so groß wie das Saarland ist und ungefähr 182.000 Einwohner hat.

Eishockey-Island

Wenig überraschend ist die eigene Heimat auch für Carson MacKinnon „ein wirklich netter“ Ort. Nach vielen Monaten weit entfernt von der Heimat genießt der Kanadier nun die „großartigen Strände“ und „netten Golfplätze“, die er mit seinen Freunden durchschnittlich dreimal pro Woche aufsucht. Den Sommer nutzt MacKinnon aber auch für ein „Hockey Camp“ für Kinder, das er mit seinem Bruder Ryan, der in der vergangenen Saison für die Steinbach Black Wings Linz in der ICE Hockey League aufs Eis ging, betreibt.

Natürlich muss sich der Flügelstürmer auch selbst fit halten und tut dies gemeinsam mit den anderen Profi-Eishockeyspielern von der Insel, auf der Eishockey wenig überraschend sehr populär ist. Diese Spieler sind durchaus namhaft, um es vorsichtig zu formulieren: Da wäre beispielsweise Noah Dobson, NHL-Crack von den Montreal Canadiens, der beste Freund und Nachbar von MacKinnon. Dobson und MacKinnon kennen sich von klein auf. Weitere bekannte Namen sind Ryan Graves von den Pittsburgh Penguins und Ross Johnston von den Anaheim Ducks sowie Josh Currie von den Graz99ers, der hierzulande dem Einen oder anderen noch bekannt sein dürfte, da er in der Saison 2024/25 für die Kölner Haie spielte.

Feels like home

Trotz aller Trainingsmotivation betont MacKinnon: „Es ist definitiv schön zu Hause zu sein und für ein paar Tage abzuschalten.“ Zeit mit Menschen zu verbringen, die er während der langen Saison kaum sieht. Seine Familie war immerhin zu Weihnachten bei ihm in Peiting zu Besuch, fühlte sich im eher ländlich geprägten Oberbayern direkt zu Hause. Wobei Carson MacKinnon seinen Liebsten dann doch die Schlösser und Berge zeigen musste, die Menschen von der Insel Prince Edward Island nur aus Erzählungen oder aus den Märchenwelten der Gebrüder Grimm kennen.

Ohnehin ist Sightseeing ein großes Thema bei Carson MacKinnon. Ob Garmisch-Partenkirchen oder Füssen: MacKinnon ist gerne in der Nähe der Berge. An freien Tagen zieht es ihn aber auch nach München, wo er Restaurants ausprobiert.  An der Seite des 26-Jährigen sind dabei oftmals Center Carson Brière und dessen Frau, die „ziemlich gut“ darin ist, „coole Orte“ zu finden, wie MacKinnon schmunzelnd erzählt.

Ein Weltenbummler zieht weiter

Womit wir nun – endlich wird mancher sagen – beim EC Peiting angekommen sind. Denn auch hier sind sich MacKinnon und Briere, die mittlerweile „ziemlich gute Freunde“ sind, nahe. Sie spielen in einer Reihe. Während MacKinnon für seinen starken Handgelenkschuss, den er in seiner Kindheit mit seinem Bruder exzessiv trainiert hat, bekannt ist, glänzen Center Brière und der Dritte im Bunde, Justin Maylan, mit ihren Spielmacherqualitäten.

Maylan, der in der ersten Saisonhälfte und im Schlussspurt der Saison in derselben Reihe wie MacKinnon spielte, hat den EC Peiting nach der Saison allerdings verlassen. Der Flügelstürmer aus Calgary ist ein echter Weltenbummler und macht aktuell einen Onlinekurs zum Lehrer. Maylan habe Brière und ihm sehr geholfen, in Europa anzukommen, erzählt MacKinnon. „Er war in der Kabine sehr beliebt. Wir wünschen ihm nur das Beste.“

Keine Garantien

Der 26-Jährige erinnert sich an „viele tolle Spielzüge“ mit Maylan zurück. Neben Maylan zu spielen, sei „extrem einfach“ gewesen. In der kommenden Saison wird MacKinnon somit möglicherweise einen neuen Sturmpartner an der Seite haben. „Wer auch immer es sein wird: Es wird nicht direkt funktionieren“, prognostiziert MacKinnon, der sich bewusst ist, dass Sturmpartner Zeit brauchen, um sich aneinander zu gewöhnen und eine Chemie zu entwickeln. Er ist allerdings zuversichtlich, dass diese dann nach ein paar Wochen zu sehen sein wird.

Als Einer von drei erlaubten Importspielern hat MacKinnon allerdings einen besonderen Druck: „Ich würde lügen, wenn das nicht etwas wäre, über das man nachdenkt“, gibt der Kanadier zu. Dieses „bisschen Extra-Druck“ und die Erwartungen vom Verein sieht er allerdings als „gute Dinge“ an. Denn das sorge dafür, dass er immer einhundert Prozent gebe: „Du kannst nichts für garantiert nehmen.“

Deshalb will sich MacKinnon in der kommenden Saison darauf konzentrieren, das „komplette Spiel“ zu spielen und nicht einen zu großen Fokus auf Tore oder Assists zu legen. Mit dem Erreichen der Playoffs hat der EC Peiting seine Saisonziele nach dem Trainerwechsel zu Landon Gare zwar erreicht, aber nach dem 0:3-Playoff-Aus gegen die Hannover Indians ist die Frustration bei den Beteiligten des Vereins noch deutlich zu spüren. MacKinnon erwartet, dass seine Mannschaft in der kommenden Saison mit Wut im Bauch auftritt und diese Frustration in Energie umwandeln kann, um dann mindestens erneut die Playoffs zu erreichen. Das jedenfalls sei erneut das Ziel.

Bayrisches Essen

MacKinnon selbst will mit seinen Führungsqualitäten, die er sich durch seine Erfahrungen im Profi-Eishockey in Nordamerika und Frankreich angeeignet hat, vorangehen. Gleichzeitig stellt der 26-Jährige klar: „Wir haben viele gute, erfahrene Spieler. Wir können uns sehr glücklich schätzen, die Gruppe zu haben, die wir haben.“ Die Chemie sei gut, mit einer solchen Mannschaft mache es viel Spaß aufs Eis zu gehen.

Nur mit dem Essen in Bayern, da fremdelte MacKinnon zunächst etwas, weil er aus seiner Heimat eher Meeresfrüchte wie Hummer gewohnt war: „Das Essen ist definitiv anders, aber ich habe mich angepasst“, sagt er nun. „Wir grillen mit der Mannschaft oft an der Eishalle. Am Ende habe ich wirklich angefangen, das zu genießen.“

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