BEV-Eishockey-Obmann Frank Butz: „Diese Entwicklung empfinden wir als bedenklich“
Als Eishockey-Obmann ist Frank Butz beim Bayerischen Eissportverband (BEV) verantwortet Frank Butz die Geschäfte der Eishockeysparte und leitet den Spielbetrieb. Foto: privat
Frank Butz, der Eishockey-Obmann des Bayerischen Eissport-Verbands (BEV), spricht im Interview mit „Logbuch Sport“ über eine „bedenkliche Entwicklung“ in der Bayernliga, fordert eine Reform der Ligenstruktur und blickt kritisch auf die bisherige Reformbereitschaft beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB).
Herr Butz, wie steht das bayerische Eishockey aus Ihrer Sicht aktuell da?
Frank Butz: Wenn ich auch die Nachwuchsmannschaften mit ins Boot nehme, dann sage ich sehr gut. Wir haben eine steigende Anzahl an Spielen, die der Bayerische Eissport-Verband abwickelt. Wir haben letztes Jahr über 8000 Spiele abgewickelt. Das war eine Steigerung um zehn Prozent zur Vorsaison. Das kommt daher, dass wir vor allem im U-Bereich bei der U9, U11 und U13 durch unser Nachwuchsförderkonzept, das wir vor zehn Jahren implementiert haben, eine sehr hohe Anzahl an jungen Athletinnen und Athleten haben. Wir sind im unteren Bereich bis zur Altersklasse U15 sehr gut aufgestellt.
In Bayern wird ohnehin so viel Eishockey gespielt wie nirgendwo sonst in Deutschland. Woran liegt das?
Frank Butz: Da müssen wir über das Thema Eissport reden und nicht über Eishockey alleine. Hier in Bayern ist Eissport – obwohl das nicht offen so benannt wird – ein Kulturgut. Wir haben gut 80 Vereine, die am offiziellen Spielbetrieb im Bayerischen Eissport-Verband teilnehmen. Der Bayerische Eissport-Verband hat über seine ganzen Fachsparten, die er betreibt, um die 110.000 Mitglieder, die sich auf die einzelnen Sportarten Eisstockschießen, Eiskunstlauf, Curling, Eisschnelllauf und Eishockey aufteilen. Von dem her sind wir in Bayern noch gut aufgestellt, was das Thema Mannschaften und Klubs betrifft – die Infrastruktur unserer Eisstadien ist eine andere Frage.
Viele kleinere Vereine kämpfen mit hohen Kosten oder fehlenden Eisflächen. Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen – und wie kann der Verband hier unterstützen?
Frank Butz: Wir als Verband haben vor einem Dreivierteljahr eine Arbeitsgruppe gegründet, die „Zukunft braucht Eis“ heißt. Wir haben einen Projektleiter, der sich hauptsächlich um das Thema Infrastruktur kümmert. Er kennt sich auf allen Ebenen sehr gut aus, auch mit dem Thema Fördermittel, was den Bau und die Sanierung von Eishallen betrifft beziehungsweise mit den Themen Umbau und Erweiterungen. Wir haben starke Partner im Hintergrund, die sich mit dem Thema Eishallenbau beschäftigen, zum Beispiel das Architekturbüro Schlenker in Villingen-Schwenningen. Wir haben ISS aus Neu-Isenburg bei uns im Boot, für das Thema LED und Licht haben wir auch jemanden im Boot. Von dem her sind wir sehr gut aufgestellt. Das machen wir für unsere Klubs, für die Kommunen oder für Privatpersonen als Serviceleistung.
Sie wollen mir damit sagen, dass sich etwas bewegt hat in den letzten Jahren.
Frank Butz: Wir haben einige Infoveranstaltungen gehabt zum Thema „Zukunft braucht Eis“, was bei den Klubs sehr gut angenommen wird. Unser Projektleiter hat mit diesem Thema sehr viel Arbeit, ihm wird es nicht langweilig. Das versuchen wir weiter voranzubringen. Das ist ja auch ein Projekt, für das wir von der bayerischen Staatsregierung die Autorisierung erhalten haben. Wir sind der einzige Sportfachverband im Bereich Eissport, der eine eigene Projektabteilung unterhält. Nicht einmal der Deutsche Eishockey-Bund kann das meines Wissens vorweisen.
Die Bayernliga hat ihren Zuschauerschnitt in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert – von rund 300 Zuschauern pro Spiel in der Saison 2021/22 auf mehr als 700 in der Saison 2025/26. Was sind die Gründe für diese Entwicklung?
Frank Butz: Das steigende Niveau der Liga. Das ist eine sehr attraktive Liga und es gibt Mannschaften in dieser Liga mit einer sehr große Fanbase.
Trotzdem gibt es auch Kritik. Tim Bertele, Vorstand des Meisters EHC Königsbrunn, bemängelt, dass junge deutsche Spieler in der Bayernliga zunehmend durch eingedeutschte Spieler verdrängt werden. Wie bewerten Sie diese Entwicklung aus Verbandssicht?
Frank Butz: Das ist eine Entwicklung, die wir als Bayerischer Eissport-Verband, als bedenklich empfinden. Wir arbeiten aktuell an einem System, wie wir das einbremsen und anders darstellen können. Das hat aber auch damit zu tun, dass unter Umständen junge, deutsche Spieler finanzielle Vorstellungen haben, die Vereine nicht erfüllen können oder wollen. Da sind die EU-Ausländer um einiges preiswerter. Dann kann ich als Vereinsvorstand eins und eins zusammenzählen. Für das Geld, das ich für einen jungen, deutschen Spieler ausgeben muss, bekomme ich zwei junge Letten oder Tschechen. Dann liegt die Entscheidung auf der Hand, auch wenn das mit Sicherheit nicht das ist, was wir wollen.
Wie soll dieses neue System denn konkret aussehen?
Frank Butz: Momentan arbeiten wir an einem Lizenzierungsmodell. Das ist in der rechtlichen Abklärung, weil das mit dem EU-Recht im Einklang stehen muss. Sobald das passiert ist, werden wir es mit den Klubs besprechen. Wir planen hier eine Änderung zur Saison 2027/28.
Bertele wünscht sich auch eine neue Ligenstruktur im deutschen Eishockey. Ist eine solche Reform aus Ihrer Sicht notwendig und wie realistisch wäre eine Umsetzung?
Frank Butz: Ich sehe eine Reform als dringend notwendig an und arbeite daran schon seit Jahren. Ich versuche auch die Gespräche mit dem DEB zu führen, sehe aber auch, dass in der Oberliga Süd in den vergangenen Jahren wenig Bereitschaft bestand, sich in dieses Thema einzufügen. Ich sehe auf der einen Seite eine Oberliga Süd mit 14 oder 15 Klubs, wo die Leistungsspanne sehr stark auseinander geht, was die Rahmenbedingungen betrifft. Du hast auf der einen Seite große Player wie Deggendorf und auf der anderen Seite kleinere Klubs wie Peiting. Zwischen solchen Vereinen klafft eine Riesenlücke.
Das bedeutet, Sie fordern, ähnlich wie Herr Bertele, eine neue Liga mit den unteren Vereinen der Oberliga und den Topteams der Bayernliga?
Frank Butz: Das wäre das Sinnvollste. Ich kann ja nur für den Bayerischen Eissportverband sprechen. Wir haben auch in der Bayernliga ein sehr großes Leistungsgefälle. Das ist auch Thema, über das wir mit den Klubs diskutieren: Wie stellen wir diese Liga 2027 unter Umständen neu auf. Da sind verschiedene Modelle in der Diskussion, damit sich in den verschiedenen Systemen am Ende des Tages auch die Vereine nach ihren Möglichkeiten wiederfinden. Es macht keinen Sinn, die Bayernliga weiter aufzublähen, zum Beispiel auf 18 Klubs, weil dann wird sich diese Leistungsschere noch mehr erweitern.
Was für neue Modelle für die Bayernliga sind im Gespräch?
Frank Butz: Zum einen ist im Gespräch, dass wir ein Ligensystem installieren, das den Vereinen eine hohe Planungssicherheit gibt. Das haben wir heute nicht. Mir ist es ein Dorn im Auge, dass wir mit dem System, was wir haben, trotz allem Erfolg, Vereine haben, die relativ früh in der Sommerpause sind. Es kann passieren, dass im Februar die ersten Mannschaften die Badehose anziehen, wenn es blöd läuft. Das sind Dinge, die wir abstellen müssen im Verbund mit den Klubs. Wir haben vor der Saison 2024/25 den Klubs verschiedene Vorschläge unterbreitet, die die Klubs alle abgelehnt haben. Dann habe ich Ihnen klipp und klar gesagt: Dann spielen wir das System, das wir heute und auch in der neuen Saison haben, weiter. Dieses System spielen wir vier Jahre weiter und danach unterhalten wir uns. Wir sind in diesem Findungsprozess. Es kann sein, dass wir die Liga verkleinern. Es kann sein, dass wir die Liga in zwei verschiedene Leistungsklassen aufteilen. Die Diskussionen gehen in verschiedene Richtungen.
Die Bayernliga gilt als Amateurliga mit nur wenigen echten Vollprofis. Sollte sich die Liga aus Ihrer Sicht perspektivisch stärker in Richtung Professionalität entwickeln oder liegt ihre Stärke gerade im aktuellen Modell?
Frank Butz: Pro Mannschaft ist ein Berufsspieler zulässig. Professioneller können wir diese Liga rein faktisch nicht machen. Es ist keine Profiliga. Wir dürfen als Bayerischer Eissport-Verband auch keine Profiliga führen und unterhalten, weil wir ein Amateursportverband sind. Würden wir das tun, kommen wir in den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb herein. Damit würden wir uns in die Gefahr begeben, dass das Thema Gemeinnützigkeit in Frage gestellt wird. Unser Mittelzuwender ist die bayerische Staatsregierung, von der wir Steuergeld erhalten für unsere Nachwuchs-Talentfördersysteme.
Das Interview führte Lukas Bergmann.
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