Axel Kammerer von den Tölzer Löwen: „Ich mache das eher im Stile von Jürgen Klopp und Diego Simeone"

Axel Kammerer Tölzer Löwen

Die Bank ist für Bad Tölz-Trainer Axel Kammerer ein wichtiger Ort. Hier gibt er seinen Spieler direktes Feedback. Foto: Philipp Schmitz

Seit Axel Kammerer 2023 zum dritten Mal zum Cheftrainer der Tölzer Löwen ernannt wurde, entwickeln sich die Oberbayern wieder zu einer Spitzenmannschaft in der Eishockey Oberliga Süd. Der 61-Jährige blickt mit uns auf seine Schlüsselspieler, seine emotionale Trainer-Philosophie und das erneute Oberliga-Viertelfinale gegen die Tilburg Trappers – inklusive Après-Ski-Stimmung in den Niederlanden.

Déjà-vu: Vor ziemlich genau einem Jahr trafen die Tölzer Löwen in den Playoffs der Oberliga Süd auf die Tilburg Trappers. Die Oberbayern verloren die Serie gegen das Team aus dem Süden der Niederlande mit 0:4, inklusive einer 2:8-Pleite im ersten Heimspiel.

Ein Jahr später treffen die beiden Mannschaften nun erneut die Oberliga-Viertelfinale aufeinander. Es könnte eine deutlich engere Serie werden, denn bereits in der Hauptrunde der Oberliga Süd, die die Löwen auf Rang drei abschlossen, deutete sich an, dass die Mannschaft von Trainer Axel Kammerer den nächsten Entwicklungsschritt gemacht hat.  Abzüglich der Unterzahlschwäche zum Saisonstart zeigten die Löwen in dieser Spielzeit wenige eklatante Schwächen.

Struktur steht über allem

Dennoch mussten sie in der Achtelfinal-Serie gegen starke Hammer Eisbären, die Bad Tölz mit ihrem variablen Eishockey durchaus Probleme bereiteten, über fünf Spiele gehen. Im Entscheidungsspiel sah Löwen-Trainer Kammerer dann wie seine Mannschaft „sehr diszipliniert“ und „sehr strukturiert“ agierte und mit 6:2 gewann. „Struktur ist das Wichtigste“, betont der 61-Jährige, der aber auch „Einsatzbereitschaft“, „Zweikampfhärte“, ein „gutes Konterspiel“ und nicht zuletzt eine „gute Effektivität“ als wichtige Bausteine für eine funktionierende Eishockey-Mannschaft ansieht.

Effizienz als wichtiges Element

Diese angesprochene Effektivität wird auf der Webseite des Deutschen Eishockey-Bund (DEB) als „Scoring Efficiency“ bezeichnet. Dieser Wert, auch als „Toreffizienz“ bezeichnet, lag bei den Tölzer Löwen in der Hauptrunde der Oberliga Süd bei 12,7 Prozent, der höchste Wert der Liga. Zur Erklärung: Bei diesem Wert geht es um das Verhältnis zwischen Toren und Schüssen aufs Tor.

„Es ist schon sehr wichtig, dass du diese Effizienz hast“, so Kammerer, der im Training Wert darauflegt, den Torabschluss trainieren zu lassen. Wichtig sind dabei sogenannte Screens. Einfacher gesagt: Es geht darum, dem Torhüter die Sicht zu nehmen. Und ja: Auch das kann man und sollte man trainieren. Kammerer jedenfalls legt darauf einen wichtigen Fokus.

Faktoren wie diese starke Effizienz sind es, die Kammerer zu dem Fazit bringen: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Die Endplatzierungen seiner Mannschaft in der Hauptrunde geben ihm Recht: Kammerer übernahm 2023 eine Mannschaft, die die Vorsaison auf Rang zehn abschloss. Die Plätze acht, sechs und drei (aktuelle Saison) bezeugen einen Aufwärtstrend. „Die Stimmung in der Stadt hat sich gedreht“, erzählt der Löwen-Trainer, der auf die steigenden Zuschauerzahlen verweist.

Ein täglicher Prozess sei das Ganze. „Du musst ein Team formen. Alle ein bisschen begeistern“, betont der gebürtige Bad Tölzer, der in Pressekonferenzen nicht um den ein oder anderen frechen Spruch verlegen ist.  Doch dieses Begeistern, wie macht man das? „Ich stehe nicht da wie der Wachposten vom Buckingham-Palast. Ich versuche schon, die Spieler zu pushen. Ich mache das eher im Stile von Jürgen Klopp oder Diego Simeone“, so Kammerer. Der 61-Jährige, der einst für Rosenheim und den ESV Kaufbeuren in der ersten Liga spielte, spricht Fehler auf der Bank direkt an. „Aber dann ist es auch wieder gut“, betont er.

Der Aufbau einer erfolgreichen Mannschaft

Es ist das Gefühl einer zusammenwachsenden Mannschaft, die in der kommenden Saison in einer ähnlichen Konstellation zusammenbleiben dürfte, das Kammerer positiv stimmt. Eine solche Mannschaft – das wissen wir spätestens seit dem Interview mit Landon Gare – wird immer von hinten aufgebaut.

Der wichtigste Baustein sind die Goalies. Da haben die Bad Tölzer in dieser Saison zwei gute Optionen: Zum Einen Matthias Bittner, der als Förderlizenzspieler vom EHC Red Bull München nach Bad Tölz ausgeliehen war, nun aber aufgrund der Verletzung von Mathias Niederberger zurück in die Landeshauptstadt beordert wurde. Und Enrico Salvarani. Beide haben ähnlich gute – wenn auch nicht überragende – Fangquoten. Die Torhüterposition, „das passt“, meint Kammerer daher.

Der nächste wichtige Faktor beim Aufbau einer Eishockey-Mannschaft sind die Verteidiger. Der Tscheche Karel Klikorka, 24 Jahre alt und aus Prag, sticht in diesem Bereich heraus, nicht umsonst wurde er zum besten Verteidiger der Oberliga Süd gewählt. Kammerer mag Verteidiger, die Vertikalpässe spielen können und die mit Distanzschüssen für Gefahr sorgen können. Klikorka passt mit seinen „großen Offensivqualitäten“ und seiner „guten Übersicht“ hervorragend in dieses Profil.

Der Mittelstürmer, auch Center genannt, ist im Eishockey so etwas wie ein offensiver Spielmacher. In Bad Tölz hat Michael Keränen, ein in Schweden geborener Finne, diese Rolle in der ersten Reihe inne. Kammerer schätzt die Ruhe, welche Keränen an der Scheibe ausstrahlt. Mit 53 Assists war er in der Hauptrunde der viertbeste Vorlagengeber der Oberliga Süd.

Zum Erfolgskonzept einer funktionierenden Offensive gehören oftmals verschiedene Spielertypen – die hat Bad Tölz. Ludwig Nirschl wird von Kammerer als „Individualist“ beschrieben. Er weiß, wo das Tor steht. 38 Tore (Rang vier in der OL Süd)  in der Hauptrunde unterstreichen dies.

Komplettiert wird diese illustre erste Offensivreihe – die man getrost als Prunkstück des EC Bad Tölz bezeichnen kann – von Topi Piipponen, dem Spieler der Saison in der Oberliga Süd. Der 28-jährige Finne gilt als sehr kompletter Spieler. „Er ist sehr effizient, ein absoluter Teamplayer, der Motor von unserem Spiel“, bestätigt Kammerer.

Eine besondere Beziehung

Es ist diese Qualität, die in der am Freitag (20.15 Uhr) in Tilburg beginnenden Serie zur Geltung kommen soll. „Das ist eine sehr gute Organisation, die gewachsen ist. Sie haben eine gute Mannschaft“, warnt Kammerer vor dem Hauptrundenzweiten der Oberliga Nord. Die Vorfreude ist groß. Kammerer spricht gar von einer „Après-Ski-Stimmung“ in den Niederlanden, wo sogar dem Gegner applaudiert werde.

Auf dem Weg zu Axel Kammerers viertem Aufstieg in die DEL2 wartet also ein starker Gegner. Sein dritter Aufstieg in die DEL2 mit „seinen“ Löwen, es wäre für den 61-Jährigen sicherlich etwas ganz besonderes. Denn Kammerer ist in Bad Tölz geboren, spielte dort in der Jugend und später in der ersten Mannschaft, ist nun bereits zum dritten Mal Trainer. Oder wie er es sagt: „Bad Tölz ist mein Heimatverein. Natürlich habe ich eine besondere Beziehung zu diesem Verein.“ Es ist eine Beziehung, die er irgendwann einmal sicherlich gerne in der DEL2 fortführen würde. Lieber früher als später.

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