Freunde, Rivalen, Kooperationspartner: Die Passau Black Hawks und der Deggendorfer SC
63 Scorerpunkte sammelte Andrew Schembri in der Hauptrunde der vergangenen Saison – sein bester Wert seit der Hauptrunde 2011/12. Foto: lumevovisuals
Kaum eine Verbindung zwischen zwei Eishockeyvereinen ist so interessant wie jene zwischen den Passau Black Hawks und dem Deggendorfer SC. Auf dem Eis und auf den Rängen herrscht eine emotionale Rivalität, außerhalb arbeiten die beiden Klubs nun zusammen. Andrew Schembri kennt beide Seiten und spricht mit „Logbuch Sport“ über Freundschaften, die Rivalität zwischen den beiden Vereinen und die Frage, wo sein Herz schlägt.
Plötzlich landete die Scheibe vor Andrew Schembri. Dieser umkurvte HC Tigers-Goalie Cosmo Reichhalter und schob zum 3:2 nach Overtime ein. Der Stürmer bedankte sich im Gespräch mit „Logbuch Sport“ für den „super Pass“, einen Flip-Pass von Neuzugang Klavs Plavics. Generell sei die Teamleistung seiner Passau Black Hawks im Testspiel gegen den österreichischen Oberliga-Neuling „nicht schlecht“ gewesen, wenngleich es noch taktische Feinheiten gebe, an denen man arbeiten müsse.
Schembri ist eine echte Ausnahmeerscheinung. Mit 44 Jahren ist er noch immer Eishockeyprofi. „Ich fühle mich noch genauso fit, wie in der letzten Saison. Nichts hat sich geändert“, meint der Deutsch-Kanadier und betont sogleich die große Unterstützung seiner Frau. Zufall ist Schembris Langlebigkeit nicht: Er legt Wert auf seine Ernährung, macht Dehnübungen. „Du musst immer an Eishockey denken und auf deinen Körper aufpassen“, stellt er klar und ergänzt: „Du musst auch Spaß haben. Es macht Spaß, jeden Tag mit den Jungs zum Stadion zu gehen. Wenn der Spaß weg ist, dann wird es nichts mehr.“
Ein turbulenter Sommer
Wenn einer weiß, worauf es ankommt, dann ist es vermutlich Schembri. Er kennt die Höhen und Tiefen seines Sports. 2015 erlebte er mit, wie die Erding Gladiators sich aus finanziellen Gründen aus der Oberliga zurückzogen. Eine ähnliche Situation drohte nun auch in Passau. Niemand wusste, ob und wie es mit dem Oberligaeishockey weitergehen kann: „Am Anfang hat jeder auf Social Media gehört, was passiert ist. Es war ein bisschen Schock, nachdem wir ein super Jahr mit der Mannschaft hatten und die Playoffs erreicht hatten. Du musst dann mit dem Vorstand reden und dann bekommst du einen Eindruck davon, was los ist und wie es mit der Mannschaft weitergeht. Es hat ein paar Monate gedauert, bis wir wussten, ob wir spielen oder nicht.“
Tom Horschel sei in dieser Phase sehr wichtig gewesen. Er habe mit den Spielern kommuniziert und sie auf dem neuesten Stand gehalten. „Wenn sie gesagt hätten, dass sie eine Insolvenz machen, dann hätten wir Spieler uns einen neuen Verein suchen müssen. Aber das Glück war auf unserer Seite. Viele Sponsoren haben zusammengearbeitet und eine Lösung gefunden. Gott sei Dank. Passau soll in der Oberliga bleiben. Wir haben eine gute Mannschaft mit guten Fans. Passau ist eine super Stadt. Ich freue mich sehr“, so Schembri.
Zwischen Freundschaft, Rivalität und Kooperation
Der 44-Jährige spielte neun Jahre beim Passauer Lokalrivalen Deggendorfer SC, stieg mit dem Verein 2018 als Oberliga-Vizemeister in die DEL auf und ein Jahr später wieder ab. „Deggendorf ist schon ganz lang vorbei“, betont Schembri.
„Es war eine gute Zeit. Ich habe Freundschaften geschlossen mit den Leuten in Deggendorf, mit den Fans, mit anderen Leuten. Das ist Sport. Mein Herz ist jetzt aber in Passau und nicht in Deggendorf“, sagt er und lacht schelmisch. „Wir kämpfen gemeinsam mit unseren Fans. Das macht Spaß.“ Die Rivalität zwischen Deggendorf und Passau sei für alle Seiten gut. Spieler, Fans, Sponsoren.
Während es zwischen den beiden Fanlagern immer mal wieder zur Sache geht, haben die beiden Vereine jüngst eine Kooperation bekanntgegeben. Mit Verteidiger Maik Maul und den gebürtigen Passauern, Leon Sittner und Timo Hirsch werden im Rahmen dessen drei Spieler aus der DSC-U20 für die Black Hawks lizenziert.
Ein Trainer mit Impact?
„Wir sind eine junge Mannschaft mit ein paar alten Leuten“, fasst Schembri die Kaderzusammenstellung der Black Hawks gewohnt grinsend zusammen und freut sich über die vielen Optionen, die es durch die Deggendorfer Leihspieler nun gibt. Er lobt: „Wir haben viel Geschwindigkeit. Das ist wichtig im Eishockey und macht es den Gegnern schwer.“
Auffällig ist, dass Schembri seinen neuen Trainer Dan Reja von sich aus anspricht: „Ich finde, wir haben eine gute Mannschaft dieses Jahr. Aber was besonders wichtig ist, ist unser Coach. Er ist so wichtig für uns. Er ist ein super Coach. Wirklich, das muss ich sagen. Beim Training und bei der Motivation. Er ist ganz wichtig für die jungen Spieler. Das ist das, was Passau braucht. Er macht den Unterschied.“ Reja sei ein Trainer, der Spaß reinbringe und dafür sorge, dass jeder Spieler gerne ins Stadion komme.
Wiedersehen mit der Vergangenheit
Die ganz großen Träume verbieten sich für Schembri und Co. aber. Die Black Hawks gehen sicherlich nicht als Favorit in die neue Oberliga-Saison, weil Mannschaften wie Kaufbeuren, Deggendorf oder Bad Tölz auf dem Papier höher einzuschätzen sind. Für Schembri steht nun allerdings erst einmal ein besonderes Wiedersehen an.
Gerne erinnert er sich an seine Zeit bei den Eisbären Regensburg zurück, mit denen er 2022 Oberliga- und 2024 DEL2-Meister wurde. „In Regensburg war es super. Ich habe eine gute Verbindung zu Regensburg“, betont Schembri. Am Dienstag (19.30 Uhr) begegnen sich die Black Hawks und die Eisbären Regensburg in einem Testspiel in der Eisarena Passau.
Wie Sandro Mayr seine DEL2-Meisterschaft mit Regensburg erlebt hat und warum er nun für die Lindau Islanders spielt, lest ihr hier.
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