Zahlreiche Probleme: Goalie Andreas Mechel erklärt, was beim SC Riessersee schiefgelaufen ist

Andreas Mechel SC Riessersee

„Es ist ein ganz entscheidender Faktor, wenn man als Goalie Ruhe ausstrahlen kann, denn eine Mannschaft springt normalerweise schon sehr darauf an, was man als Goalie macht“, beobachtet SCR-Torhüter Andreas Mechel (Nummer 50). Foto: Peter Volk

Der SC Riessersee beendete die vergangene Saison in der Eishockey Oberliga Süd auf einem enttäuschenden elften Platz. Goalie Andreas Mechel spricht über verschiedene Fehler, die gemacht wurden und erläutert, worauf nun der Fokus liegen sollte.

Es ist nicht so, als wisse Andreas Mechel nicht, wie man Eishockeyspiele gewinnt. Der 34-jährige Goalie des SC Riessersee wurde mit den Bietigheim Steelers 2018 und 2021 DEL2-Meister. 2023 gewann er mit den Starbulls Rosenheim die Oberliga-Meisterschaft. Es war ein Triumph, an den er sich besonders gerne zurückerinnert: „Die schönste Meisterschaft war die mit Rosenheim. Das Jahr bleibt mir besonders in Erinnerung. Es ist schwierig zu beschreiben, weil einfach alles gepasst hat. Wir waren so eine Einheit, so ein eingeschworener Haufen.“

Warum nach der Saison trotzdem der Wechsel zum SC Riessersee erfolgte? „Wir wissen alle, wie das Geschäft läuft. Ich habe eine Familie. Es gab Gespräche, aber ich wollte nicht länger abwarten, wohin es geht. Die Sicherheit für meine Familie war vorrangig. Deswegen habe ich die Entscheidung für Riessersee getroffen“, erzählt der SCR-Goalie.

Strukturelle Probleme

Drei Saisons hat Mechel nun bereits in Garmisch-Partenkirchen verbracht. Die erhoffte positive Entwicklung hat der Verein in dieser Zeit nicht vorzuweisen. Im Gegenteil: Schlossen die Werdenfelser Mechels erste Saison noch auf Rang fünf ab, so landete man in der abgelaufenen Spielzeit auf Rang elf und rutschte nur durch die Insolvenz der Heilbronner Falken noch in die Pre-Playoffs, in denen man gegen die Passau Black Hawks deutlich verlor.

Wie ist die Negativentwicklung zu erklären? „Als ich gekommen bin, gab es einen Umbruch“, holt Mechel mit Blick auf die Geschäftsführung aus. Nachdem Panagiotis Christakakis 2023 zum Deutschen Eishockey-Bund (DEB) gewechselt war, wurde der SC Riessersee ehrenamtlich geführt. In dieser Zeit habe es „Pannen“ gegeben, so Mechel. „Die Konstanz und der Fixpunkt, der seine Augen auf den Verein hat, haben gefehlt. In einem professionellen Verein ist es wichtig, dass Leute Verantwortung übernehmen. Die Interimsgeschäftsführung hat das zwar super gemacht, aber insgesamt hat im Verein die Konstanz gefehlt.“

Defensives Debakel

Es ist offensichtlich, dass beim SC Riessersee in den vergangenen Jahren in der Kaderplanung zu wenig funktioniert hat, aber auch die teilweise recht junge Mannschaft will Mechel für die schwache Saison in die Verantwortung nehmen: „Dieses Jahr war unser Problem, dass wir zu viele hochkarätige Chancen zugelassen haben. Wir hatten oftmals Probleme dabei, die ersten Entscheidungen zu treffen.“ Das Resultat waren einfache Scheibenverluste bereits im Spielaufbau. „Das hat uns oftmals in einen Strudel gebracht.“ Ein Strudel an Gegentoren, wie ihn Riessersee beispielsweise beim 1:10 in Deggendorf und beim 3:12 in Memmingen erlebte.

Chaotische Torhüter-Situation

Fragezeichen gab es auch auf der Torwart-Position. Eine echte Nummer eins zwischen den Pfosten gab es beim SCR in der abgelaufenen Saison nicht. Der mittlerweile zu den Blue Devils Weiden abgewanderte Patrik Mühlberger wechselte sich mit Mechel nicht nur im Saisonverlauf, sondern auch in einzelnen Spielen mitunter wild ab.

Nun sollte man zunächst einmal feststellen, dass sich der Eishockey-Sport stark verändert hat. Den „klassischen Torhüter“, der über 90 Prozent der Spiele macht, gibt es heutzutage kaum noch, wie auch Mechel betont. Doch auch der 34-Jährige erinnert sich an „sehr viel Rotation dieses Jahr. Für uns beide war das nicht optimal“, spricht Mechel auch im Namen von Kollege Mühlberger. Ex-Trainer Hunor Marton habe seine Entscheidungen zudem „nicht wirklich gut kommuniziert“. Marton wurde im Dezember 2025 entlassen, der Verein kritisierte daraufhin aber auch „die Einstellung und das Auftreten“ der Spieler.

Auch SCR-Goalie Andreas Mechel, der im Laufe seiner Karriere mit seiner Ruhe und Gelassenheit meist ein starker Rückhalt war, hatte in der abgelaufenen Saison einen schweren Stand. Mit 86,3 Prozent weist die offizielle Statistik für ihn die schwächste Fangquote der Oberliga Süd aus. Ein Wert, der bei der defensiven Anfälligkeit des SCR in dieser Saison kaum allein dem Goalie anzulasten ist. Wie bereits EC Peiting-Goalie Tommi Steffen im Gespräch betonte, ist in dieser Statistik zudem die Schussqualität des Gegners nicht berücksichtigt. Außerdem ist die offizielle Statistik fehleranfällig, die eigenen Statistiken der Vereine zeigen oftmals andere Zahlen, wie Mechel betont.

Neue Saison, neuer Fokus?

Was in der neuen Saison anders gemacht werden muss? „Puh, das müssen Sie die Verantwortlichen fragen“, sagt Mechel zunächst. Was er möglicherweise nicht wusste: Im Exklusiv-interview mit „Logbuch Sport“ gewährte SCR-Geschäftsführer Michael Kreitl bereits einige Einblicke in seine Gedanken. Aber auch Mechel hat dann doch noch eine eigene Antwort parat: „Wir brauchen ein Team, das zuerst defensiv denkt. Darauf müssen wir als allererstes den Fokus legen. Tore schießen konnten wir auch in der vergangenen Saison. Das ist sehr wichtig. In allen erfolgreichen Teams, bei denen ich war, lag der Fokus zunächst auf der Defensive.“

Der bisherige Kader für die kommende Saison

Stichwort Verteidigung: Drei Spieler für die kommende Saison stehen beim SC Riessersee bereits fest. Neben Torhüter Andreas Mechel und Stürmer Robin Soudek wird auch Verteidiger Tobias Echtler in der kommenden Saison für den SCR auflaufen. Der Verein gab die Vertragsverlängerung mit Echtler bereits am Dienstag bekannt. Goalie Andreas Mechel nahm die Nachricht mit Freude zur Kenntnis: „Das ist total positiv. Er ist ganz wichtig in der Kabine, ein Führungsspieler. Er ist defensiv ein guter Verteidiger und kann auch offensiv für Gefahr sorgen.“

Vielleicht wird ja jetzt gerade eine erfolgreichere Zukunft des SC Riessersee in die Wege geleitet. Eine baldige Entscheidung auf der Trainerposition wäre dafür ein guter Anfang.

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