Tölzer Löwen vor dem Oberlandderby: „Man ist schon brutal heiß darauf“
Am Freitag heißt es endlich wieder schwarz-gelb gegen weiß-blau. Damit ist aber nicht das Duell zwischen den Tölzer Löwen und den Lindau Islanders gemeint, aus dem dieses Bild stammt. Foto: psmedia.design
Vor dem Derby gegen den SC Riessersee scheinen die Tölzer Löwen auf einem guten Weg zu sein. Wir sprechen mit Alex Grossrubatscher über Probleme in der Konterabsicherung, mysteriöse Special Teams-Zahlen und Schlussphasen, die zur Löwen-Zeit werden.
Zwei Wochen ist es nun schon her, da eröffneten die Tölzer Löwen die Oberliga-Saison mit einer 0:2-Niederlage beim ESV Kaufbeuren. Während der ESVK seither jedoch überraschenderweise zwei von drei Spielen verloren hat, haben die Tölzer Löwen alle drei Spiele gewonnen. Auf einen 10:6-Sieg gegen die Erding Gladiators folgten ein 4:1 bei den Heilbronner Falken und ein 6:4 gegen die Selber Wölfe.
Die Schlussphase ist Löwen-Zeit
Löwen-Verteidiger Alex Grossrubatscher meint dazu: „In Kaufbeuren haben wir uns ziemlich schwer getan und uns versteckt. Dann sind wir stetig besser geworden in den vergangenen Spielen.“ Die Tölzer Löwen präsentierten sich dabei als ziemlich nervenstarke Mannschaft: Sowohl gegen die Heilbronner Falken als auch gegen die Selber Wölfe begann man erst Mitte des dritten Drittels damit, das Spiel zu drehen.
„Selb war vielleicht nicht unser bestes Spiel die ersten 40 Minuten, aber im letzten Drittel nochmal drei Tore zu schießen, und das Spiel dann auch noch zu gewinnen in den 60 Minuten, das spricht schon auch für sich. Vielleicht ist es von uns auch einfach eine Stärke, dass wir in der Schlussphase einfach nochmal konzentrierter sind“, mutmaßt der 26-jährige Südtiroler.
Konteranfälligkeit und Special Teams
Die erwähnten 40 Minuten bemängelte auch Löwen-Trainer Axel Kammerer nach dem Spiel. Der 62-Jährige vermisste die von ihm erwünschte Spielkontrolle. Grossrubatscher erklärt: „Wir haben es uns sehr schwer gemacht, einfach sehr kompliziert gespielt, und den Selbern viel zu viel Raum gegeben. Das spielte ihnen dann auch ziemlich in die Karten, wenn sie einen kleinen Kader haben, sodass sie uns dann auch auskontern, wenn wir ein bisschen zu offen spielen.“
Die Special Teams wiederum waren im bisherigen Saisonverlauf der Tölzer Löwen eher eine Stärke. Das Unterzahlspiel funktioniert ohnehin gut, in Überzahl gelangen gegen die Selber Wölfe zwei Tore. Insgesamt sind es bereits fünf in 14 Anläufen, was mit 35,7 Prozent den besten Wert der Liga bedeutet. Kammerer verwies nach dem Spiel allerdings darauf, dass sein Team sich schwer damit tut, überhaupt in die Formation zu kommen und dass es dann auch noch zu wenige Schüsse abgibt.
Auch Großrubatscher scheint sich die bisherige Powerplaystärke, die sich im Saisonverlauf noch revidieren könnte, nicht so recht erklären zu können: „Wir haben eine gute Quote, aber irgendwie passt es noch nicht so zu 100 Prozent. Das Powerplay muss schon eigentlich eine Waffe werden, finde ich, denn das entscheidet dann auch einfach Spiele. Wenn du in diesen Momenten dann einfach da bist und da nochmal ein Tor schießen kannst, wäre das im Verlauf des Spiels schon sehr hilfreich.“
Kleiner Mann, große Qualität?
Nicht von Nachteil ist auch, wenn Grossrubatscher seine Offensivqualitäten mit ins Spiel einbringen kann. Einst war der Südtiroler Stürmer, auch in Deggendorf half er zwischenzeitlich mal in der Offensive aus, mittlerweile ist er aber in der Abwehr zu Hause. Seine Schnelligkeit und Agilität helfen dem etwa 1,70 Meter großen Italiener derweil auch dabei, in Unterzahl Räume zu schließen. Bekannt ist der 26-jährige zudem für seine Hüftchecks, die er von klein auf erlernt hat.
Seine Stürmerqualitäten ließ Grossrubatscher übrigens auch gegen die Selber Wölfe aufblitzen, als er ein Tor schoss und ein weiteres Tor vorbereitete. Seine Einschätzung dessen änderte er noch während seiner Antwort von „Ist mir Wurst“ zu „Das passt schon“ um. Auch für die Kabine scheint der 26-Jährige, der im Sommer gerne wandert und klettert, wichtig zu sein.
Italienisches Temperament in einer bayerischen Wohlfühlregion
Geschäftsführer Fabian Schlager sagte im Zuge der Vertragsverlängerung des eingedeutschten Italieners: „Er gibt nie auf, pusht sich und die Mannschaft bis zum Maximum und fürchtet sich vor Niemandem.“ Dieser schätzt sich derweil zwar als emotional, nicht aber als überemotional ein. Er habe seine Emotionen schon im Griff und könne auch sachlich bleiben, wenn dies vonnöten ist, versichert er uns.
Grossrubatscher kam 2025 zu den Tölzer Löwen. Seine erste Saison war mit zwölf Toren und 24 Assists direkt seine punktbeste Spielzeit im Erwachsenenbereich, was aber nicht das entscheidende Argument für seine Vertragsverlängerung bis 2028 war: „Ich fühle mich sehr wohl hier. Es ist eine sehr schöne Gegend zum Leben und auch das Team macht es einem leicht. Ohne das Team könnte ich nicht so performen. Man fühlt sich einfach wohl und muss sich nicht zu viele Gedanken machen über andere Sachen, weil einfach das Große und Ganze passt.“
Prägende Zeiten und Vorfreude auf das Oberlandderby
Vor seiner Zeit in Bad Tölz spielte Grossrubatscher, mit kurzer Unterbrechung bei den Selber Wölfen, fünf Jahre für den Deggendorfer SC. „Das ist eine Zeit gewesen, die mich zu dem macht, der ich jetzt heute bin. Ich erinnere mich gerne daran zurück. Ich war fünf Jahre da. Man hat immer noch Kontakt mit Spielern und man erinnert sich gerne an mache Momente zurück und vermisst sie dann auch ein bisschen. Aber das hast du am Ende in jedem Verein, glaube ich. Du nimmst Sachen mit, die du vermisst, aber im neuen Verein erlebst du auch Momente, an die du dich dann immer sehr gerne erinnerst“, sagt der Tölzer Verteidiger, der bereits als 14-Jähriger ans Regensburger Eishockeyinternat kam.
In der Oberpfalz blieb er bis in den U20-Bereich: „Es war dort schon schwierig am Anfang. Ich würde sagen, bis Weihnachten. Damals im Nachwuchs hatten wir um Weihnachten herum eineinhalb Wochen schulfrei und kein Training. Da bin ich dann auch heimgefahren. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, weil ab dem Zeitpunkt, ab Neujahr, da hat sich irgendwie ein Schalter umgelegt und dann lief das alles von alleine.“ Grossrubatscher fand Freunde und baute sich in Deutschland ein neues Leben auf. „Der Mittelpunkt meines Lebens ist jetzt im Moment einfach auch in Deutschland“, stellt er fest.
Sein Fokus richtet sich nun auf das Derby am Freitag (19.30 Uhr) beim SC Riessersee: „Ich habe das letztes Jahr zum ersten Mal miterlebt. Das ist schon vier der schönsten Spiele, die wir haben. Das ist schon immer sehr besonders und man ist schon brutal heiß darauf.“
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